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Lexikon
Hochbarock in Spanien

Für Spanien war der Barock ein "Goldenes Zeitalter", ebenso in der Literatur (Cervantes) wie in der Malerei. Deren Stil wird oftmals in eine eher herbe nördliche Variante und eine sinnlichere Malerei Andalusiens unterschieden. Kennzeichnend ist für den spanischen Hochbarock ein im internationalen Vergleich deutlicher und anhaltender ausgeprägter Naturalismus.
Die Grundlagen des spanischen Hochbarock sind neben regionalen Traditionen besonders in den frühbarocken Reformen aus Italien zu suchen, wobei der Caravaggismus auf weit fruchtbareren Boden fiel als der Carracci-Stil. Die Elemente der caravaggesken Kunst wie der Naturalismus, die tonige Farbigkeit und auch die effektvolle Behandlung des Hell-Dunkel hielten sich hier länger als andernorts, so dass die Prinzipien des Caravaggismus nicht nur den Früh-, sondern auch den Hochbarock Spaniens deutlich prägten.
Francisco Ribalta und Jusepe de Ribera, der dessen Schüler war und in Neapel wirkte, sind als spanische Caravaggio-Nachfolger zu benennen. Francisco Herrera d.Ä. und die Sevillanische Schule, der auch Francisco de Zurbarán zugehörte, stehen für den südspanischen, caravaggesk-realistischen Barock. Gebürtiger Sevillaner war auch Diego (Rodriguez de Silva y) Velázquez (1599-1660), der gleichfalls nicht den barocken Idealismus vieler seiner italienischen Zeitgenossen imitierte, sondern einen erfrischenden Naturalismus zum Stilprinzip erhob. Während sich Velázquez in großem Maße dem Porträt widmete, wählte Bartolomé Esteban Murillo (1618-82), auch er Sevillaner, volkstümliche, dem Betrachter leicht zugängliche Motive. Anmutige und innige Madonnenfiguren oder fromme Heilige mit leicht verklärenden Anleihen bei Raffael, aber auch Genreszenen mit Bauernknaben prägen sein Oeuvre.
Im Spätbarock verlor die spanische Malerei an Bedeutung, erst mit Francisco Goya im ausgehenden 18. Jahrhundert sollte sie wieder zu internationalem Einflussreichtum zurückfinden.