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Lexikon
Hochbarock

Der Hochbarock bezeichnet den Höhepunkt der Epoche, der sich zeitlich zwischen etwa 1630-50 und 1700-20 erstreckt und grundlegend in barocke und barock-klassizistische Strömungen unterteilt werden kann. Auch darüber hinaus ist die hochbarocke Kunst, je nach Kulturkreis, durchaus unterschiedlich geartet, zumal ihre Funktion gemäß ihres Entstehungskontextes variiert: Einerseits dient sie dem pathetischen Herrscherlob im Absolutismus oder (in gegenreformatorisch beherrschten Gebieten) der Verherrlichung und Glorifizierung der katholischen Religion. Andererseits bedient sie einen entstehenden freien Kunstmarkt wie in den "frühbürgerlichen" nördlichen Niederlanden, wo zudem der Protestantismus mit seinem Misstrauen gegen religiöse Bildwerke vorherrschte. Hier bereicherten bald die neu erblühten profanen Gattungen - Landschaft, Genre und Stillleben - die hochbarocke Kunstlandschaft.
Über politische und religiöse Grenzen hinweg können auch einende Aspekte festgehalten werden, etwa eine Vorliebe für allegorisierende und symbolhafte Bildsprache, die sich auch in der weitverbreiteten Emblemliteratur ausdrückt. Hinzu kommt eine deutliche, je nach "klassizistischem Grad" gedämpfte oder betonte Bewegtheit sowohl in Malerei und Graphik als auch in Skulptur und Architektur. Kurvaturen, Schwünge und Diagonalkompositionen dynamisieren die zwei- und dreidimensionalen Darstellungen, wobei grundlegend der Realismus gewahrt wird. Wesentlich für die Kunst des Hochbarock ist ferner die Tendenz zum Gesamtkunstwerk und die Überwindung der Gattungsgrenzen zwischen Malerei, Skulptur und Architektur. Die illusionistische Wand- und Deckenmalerei erlebt in diesem Kontext einen Höhepunkt, und besonders in Italien prägten Doppel- und Mehrfachbegabungen wie Bernini und da Cortona die hochbarocke Kunst.