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Lexikon
Inkunabel / Wiegendruck

Als Inkunabeln oder Wiegendrucke bezeichnet man die frühesten Erzeugnisse des Buchdrucks, die bis einschließlich 1500 erschienen sind. Die nach 1500 entstandenen Buchwerke heißen Frühdrucke. Inkunabel beruht auf dem lat. Wort "incunabula" (= Windeln, Wiege; im übertragen Sinn auch frühe Kindheit oder Anfänge). Die beiden Bezeichnungen Inkunabel oder Wiegendruck verweisen demnach auf die frühesten Anfänge der Buchdruckkunst mit beweglichen Lettern, als diese quasi noch "in der Wiege liegt". Die Bezeichnung Inkunabel entsteht dabei weit später als die Werke der frühen Buchdruckkunst selbst, nämlich erst Ende des 18. Jahrhunderts. Eine Inkunabel stellt den ersten Schritt dar vom handgeschriebenen Buch hin zum gedruckten Werk, das häufig einen noch experimentellen drucktechnischen und typographischen Charakter aufweist. Anhand der Inkunabeln kann die Entwicklung des Buches gut verfolgt werden, denn der Drucker versteht sich noch als selbständig schaffender Meister. Später tritt dann anstelle der künstlerischen Gestaltung eines Werkes der handwerksmäßige Betrieb, der vieles vereinheitlicht, um in kürzerer Zeit mehr drucken zu können. Zu den wichtigsten und bekanntesten Inkunabeln zählt die Gutenberg-Bibel von 1455. Des Weiteren sind Anton Kobergers Bibel von 1493 und die Schedelsche Weltchronik aus demselben Jahr zu nennen. Berühmte Inkunabel-Drucker sind unter anderem Albrecht Pfisterer in Bamberg, Günter Zainer in Augsburg und Johannes Mentelin in Straßburg. Der erste überlieferte gedruckte Katalog einer Sammlung von Inkunabeln wird von Joh. Saubert für die Nürnberger Stadtbibliothek verfasst: "Historiae bibliothecae reipublicae Noribergensis ... catalogus librorum proximis ab inventione annis usque ad a. Chr. 1500 editorum." Insgesamt verzeichnet man heute ca. 40.000 verschiedene Wiegendrucke in einer Gesamtzahl von ca. einer halben Million Exemplare. In der graphischen Kunst werden auch die Einblattholzschnitte sowie die frühen Drucke des Kupferstichs, der Radierung und der Lithographie als Inkunabeln bezeichnet.



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