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Lexikon
Italienischer Klassizismus

Der Klassizismus entwickelte sich von Rom ausgehend, wo die zum Ideal erhobene Antike Künstlern und Theoretikern unmittelbar vor Augen stand. Die Deutschen Johann Joachim Winckelmann (1717-68) und Anton Raphael Mengs (1728-79) hatten maßgeblichen Anteil an seiner Ausprägung in Italien. Erstgenannter, zum Oberaufseher über die antiken Denkmäler Roms bestellt, bereitete das theoretische Fundament ("Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Malerei und Bildhauer-Kunst", 1755 und "Geschichte der Kunst des Altertums", 1764) und wirkte mit seinen Lehren, etwa der Vorstellung von der Konturlinie als Träger der Idee, auf die stilistische Formung des Klassizismus ein. Anton Raphael Mengs setzte als erster Winckelmanns Forderungen um und schuf mit dem als "quadro riportato" ausgeführten Deckenbild "Parnass" (1761) in der römischen Villa Albani das eigentliche Gründungswerk des Klassizismus.
Auch die Einheimischen hatten Anteil an der Ausbildung des Klassizismus in Italien. Stichwortgebend war die Architektur des Spätbarock (Juvarra, Vittone u.a.); der Graphiker Piranesi (1756: "Le Antichità Romana" u.a.) war mit seinen Stichserien antiker Ruinen an Dokumentation und Rezeption der Antike maßgeblich beteiligt. Michelangelo Pergolesi wirkte im antikisierenden Ornamentstich in London, wo er u.a. mit Robert Adam kollaborierte.
Die Malerei verwertete neben Vorbildern aus Antike und Renaissance auch Anregungen des französischen Klassizismus. Der Mailänder Andrea Appiani (1754-1817), aufgrund der besonderen Anmut seiner Kunst "Pittor delle Grazie", Maler der Grazien, genannt, war Napoleons erster italienischer Hofmaler. In Rom arbeitete mit Vincenzo Camuccini (1771-1844) der bedeutendste italienische Maler des Klassizismus aus der Mengs-Nachfolge; als Hauptvertreter in der Toskana gilt Pietro Benvenuti (1769-1844).
Antonio Canova (1757-1822) war in der klassizistischen, antikisierend-idealen Skulptur Italiens führend. In der Grabmalskunst wirkte er durch die Integration ägyptischer Motive (Pyramide), etwa im "Grabmal der Erzherzogin Maria Christina" in der Wiener Augustinerkirche (1798-1805), prägend.


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