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Lexikon
Italienischer Realismus

Der italienische Realismus konnte sich unter dem Einfluss der französischen Neuerungen entwickeln, gelangte dabei jedoch zu einem vielfältigen und eigenständigen Erscheinungsbild. Seinen Anfang nahm er in der Toskana, wo der Purismus eine Voraussetzung seiner Entwicklung bildete (Antonio Puccinelli).
Florenz war die Wiege des italienischen Realismus: Besonders die Macchiaioli, eine schwerpunktmäßig zwischen 1860 und 1880 wirkende antiakademische Gruppe von Florentiner Malern, die durch einen fleckig-skizzenhaften Stil (ital. macchia: Fleck) geeint wurde und die Landschaftsmalerei revolutionierte, bedingte die Ausbildung des Realismus in Italien. Gleich den französischen Realisten wollten die Macchiaioli nur mehr dasjenige malen, was man in der Wirklichkeit sehen konnte: "il vero".
Zur programmatischen Vereinheitlichung der losen Gruppierung der Macchiaioli im Sinne des Realismus hatte der Kritiker Diego Martinelli vieles beigetragen; hinzu kam der direkte Kontakt der Macchiaioli mit Frankreich: Schon kurz nach der Jahrhundertmitte kamen Künstler wie Telemaco Signorini (1835-1901) nach Paris, Giovanni Boldini und Giuseppe de Nittis übersiedelten sogar gänzlich in die französische Hauptstadt.
Das Interesse der italienischen Maler am französischen Realismus war groß und galt in besonderem Maße seiner sozialen Ausprägung. Dieser Schwerpunkt drückt sich etwa in Telemaco Signorinis vielbeachtetem Gemälde mit der "Irrenabteilung in S. Bonifazius in Florenz" (um 1865-70) aus, dem Edgar Degas große Bewunderung zollte. Thematisch zeigten die italienischen Realisten wie ihre französischen Kollegen gerne ländliche Szenen; Giovanni Fattori (1825-1908) machte sich mit Bildern aus dem Soldatenalltag einen Namen.
Zu den Macchiaioli zählten neben den Genannten unter anderem Serafino de Tivoli, Giovanni (Nino) Costa, Adriano Cecioni und Giuseppe Abbati; recht spät traten mit Giovanni Fattori und Silvestro Lega zwei der bedeutendsten Macchiaioli hinzu.
Aber nicht nur die Macchiaioli sind mit dem italienischen Realismus verbunden, sondern wenig später auch Einzelpersönlichkeiten: Giovanni Segantini (1858-99) etwa beschäftigte sich mit Millet und verstärkte den symbolischen Gehalt von dessen Motiv der Ährenleserinnen; Giuseppe Pellizza da Volpedo (1868-1907) schuf um den Jahrhundertwechsel mit seinem monumentalen Werk "Der vierte Stand" ein Gemälde, das in seinem tiefklingenden Pathos an den Sozialistischen Realismus gemahnt.


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