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Italienischer Symbolismus

Zentrum der symbolistischen Bewegung in Italien war der industrielle Norden um die Großstadt Mailand. Die italienische Auffassung des Symbolismus war deutlich von Frankreich geprägt. So zeigt etwa das Werk von Gaetano Previati (1852-1920) die Rezeption des französischen Symbolismus, die in einem etwas manierierten Mystizismus Ausdruck fand. Bei seinen Bildern ist allerdings ein gewisser Einfluss des Futurismus und des post-impressionistischen Divisionismus nicht zu leugnen.
Der bekannteste Symbolist Italiens ist Giovanni Segantini (1858-99). In Arco am Gardasee geboren, erklärte er die Schweiz zu seiner Wahlheimat, wo er seine beliebten Hochgebirgslandschaften malen konnte. Stilistisch entwickelte er eine persönliche Variante des Pointillismus und zerlegte die Farben in nebeneinander liegende Striche, um das ungebrochene Berglicht zum Ausdruck zu bringen. Wichtige Anregungen entnahm Segantini den stillen Bauernbildern von Jean-François Millet, und er verstand die Darstellung von Mensch und Natur immer im Wechselverhältnis zueinander. So versinnbildlicht die Waagerechte in seinen geometrisierten Landschaften die Natur, auf die sich der senkrechte Mensch niederbeugt. In seinen Landschaften und Allegorien thematisierte Segantini existentielle Fragen über das Leben, den Tod und die Religion.
Die literarische Ausrichtung des Symbolismus vertritt in Italien der Illustrator Alberto Martini (1876-1954), der ein für seine Zeit typisches Interesse am Dunklen, den Träumen, dem Tod und der Krankheit zeigte. Wie andere, ähnlich gesinnte Künstler wie Max Klinger oder Alfred Kubin studierte er die altdeutsche Druckgraphik des 16. Jahrhunderts. Dabei bleibt die Verbindung von Tod und Frau ein vordergründiges Thema. Besonders eindrucksvoll und modern sind seine Illustrationen der Erzählungen Edgar Allan Poes, wobei der Kontrast zwischen Hell und Dunkel innerhalb stark vereinfachter Kompositionen das Erschreckende der Texte sehr wirkungsvoll ausdrückt.
Andere Künstler, die zumindest teilweise zum italienischen Symbolismus gerechnet werden, sind Vittorio Zechinni, Romolo Romani und Guido Cadorin.


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