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Kandem

Der 1889 gegründete Leipziger Lampenhersteller Kandem (Körting & Mathiesen) ist untrennbar mit dem Bauhaus verbunden, dessen avantgardistische Designs er in industrielle Fertigung übernahm.
Zunächst befasste Körting & Mathiesen sich mit öffentlicher Außenbeleuchtung, bis in den 1920er Jahren der Schwerpunkt auf Innen- und Wohnraumleuchten verlegt wurde. Mit außergewöhnlicher technischer Fortschrittlichkeit hatte sich Kandem bereits früh hervorgetan - das passende Industriedesign lieferte von 1928 bis 1933 das Bauhaus.
Dort befasste man sich schon seit 1924 intensiv mit der Gestaltung von Lampen, zunächst noch in handwerklicher Form (Wagenfeld und Jucker), doch bald auch in Hinblick auf industrielle Fertigung. Als diesbezüglich wegweisende Figur ist Marianne Brandt (1893-1983) zu nennen, in deren Notizkalender sich in einem Eintrag vom 3. Februar 1928 auch der erste Hinweis auf die Zusammenarbeit von Kandem und Bauhaus findet. Es folgte ein Vertrag über "künstlerische Beratung" - die Metallwerkstätte des Bauhauses verlieh in der Folge den technisch ausgereiften Kandem-Leuchten ihr Design.
Marianne Brandt, die mittlerweile die provisorische Leitung der Metallwerkstätte übernommen hatte, organisierte diese Kooperation mit Kandem, die beiden Beteiligten die Möglichkeit gab, avantgardistische Entwürfe mit fortschrittlicher Technik und industrieller Massenfertigung zu verbinden. Bald trat auch Hin Bredendieck in die "Kandem-Arbeit" ein, zwischenzeitlich ferner Hermann Gautel und weitere Studenten der Metallwerkstätte. In der engen Zusammenarbeit mit Kandem gingen diese Bauhäusler den Schritt von der handwerklichen Unikat-Gestaltung zum industriell herstellbaren Massenprodukt. Die Kandem-Bauhaus-Leuchten wurden so zu Pionieren des Industriedesigns.
Zwei frühe Entwürfe sollten die größten Erfolge der Kooperation werden: Gegen Ende des Jahres 1928 präsentierte Kandem erstmals die von Marianne Brandt und Hin Bredendieck in schlichten, groß gedachten Formen umgearbeitete Schreibtischlampe (Nr. 679) sowie die neu gestaltete Nachttischleuchte (Nr. 680), die bis in unsere Tage stilbildend geblieben sind. Zahlreiche weitere Lampen folgten, und schon nach wenigen Jahren hatte Kandem mehr als 50.000 Bauhausleuchten verkauft. Auch auf zahlreichen Ausstellungen wurden fortan die Kandem-Bauhaus-Modelle gezeigt, die von verschiedenen Mitgliedern der Werkstatt erdacht waren.
Marianne Brandt, welche die frühe Zusammenarbeit mit Kandem geprägt hatte, sollte jedoch schon 1929 die Segel streichen: Interne Unstimmigkeiten hatten ihr die Arbeit am Bauhaus vergällt, zudem hatte Hannes Meyer, der neue Direktor, im Sommer 1929 die Metallwerkstatt mit den Werkstätten für Wandmalerei und Tischlerei zusammengelegt, woraus sich eine stärkere Konzentration auf den Möbelentwurf ergab.
1933, als das Bauhaus seine Pforten schließen musste, endete auch die Zusammenarbeit mit Kandem, die zuletzt auf einem individuellen Vertrag mit Ludwig Mies van der Rohe, dem letzten Direktor, basiert hatte. Die Kandem-Bauhaus-Leuchten wurden freilich weiterhin produziert und wurden, besonders in den Entwürfen von Marianne Brandt, zu Meilensteinen der Designgeschichte.

Vgl.: Bauhausleuchten? Kandemlicht! Die Zusammenarbeit des Bauhauses mit der Leipziger Firma Kandem (= Bauhaus Lighting? Kandem Light!), Kat. Ausst. Museum für Kunsthandwerk Leipzig, Stuttgart 2002.


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