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Kinderbücher

Kinderbücher sind alle Schriften, die für Kinder und Jugendliche als geeignet gelten. Dabei fallen unter den Begriff Kinderbücher sowohl Bücher, die speziell für jugendliche Leser verfaßt wurden, als auch Werke, die sich adaptiert haben. Das Spektrum der Gattung Kinderbücher ist breit gefächert. So zählen zu Kinderbüchern neben Einblattdrucken, Bilderbögen und -büchern auch Fibeln, ABC-Bücher, Benimmbücher sowie Erzählungen, Comics und Romane für Kinder und Jugendliche.

Die Wurzeln der eigens für ein jugendliches Publikum verfaßten Literatur führen bis in die Entstehungszeit des Buchdrucks. Als Beispiel für frühe Kinderbücher seien hier das religiöse Werk Seelentrost von 1487 sowie Der Jungen Knaben Spiege von Jörg Wickram aus dem Jahre 1554 genannt. In ihrer Entstehungszeit wurden Kinderbücher nicht von Schulbüchern unterschieden. Erst mit der Entwicklung des Schulwesens und dem damit verbundenen Rückgang des Privatunterrichts kam es zu einer Separation zwischen den beiden Textsorten.

Eine erste Blütezeit erlebten Kinderbücher gegen Ende des 18. Jahrhunderts, da in diesem Zeitraum im Rahmen der Aufklärungsbewegung bekannte Autoren, Wissenschaftler und Pädagogen wie J. B. Basedow, J. H. Campe, und F. J. J. Bertuch für Kinder und Jugendliche zu schreiben begannen. Dabei stand bei diesen Kinderbüchern die moralische und sachliche Belehrung im Vordergrund, während unterhaltende Elemente eher weniger Raum einnahmen. Konträr zu dieser Bewegung bevorzugten die Romantiker wieder genau die Art von Kinderbüchern, gegen die sich die Aufklärer gewendet hatten, nämlich Volksmärchen, Puppenspiele, Sagen und Legenden. Als bedeutendste Kinderbücher der Romantik gelten unter anderem Des Knaben Wunderhorn von A. von Arnim und C. Brentano sowie die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.

Im weiteren 19. Jahrhundert lassen sich biedermeierlich-realistische und moralische Impulse in den Kinderbüchern wiederfinden, wobei auch die romantischen Tendenzen absorbiert wurden. Als Beispiel seien hier die Kinderbücher Der Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann aus dem Jahre 1845 und W. Buschs Max und Moritz zu nennen. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Epoche des Kinderbuchs ist die Herausbildung des Mädchenbuchs. So fanden E. von Rhodens Trotzkopf und J. Spyris Heidi große Beachtung bei der weiblichen Leserschaft. An Jungen richteten sich hingegen die Abenteuerliteratur, zu deren wichtigsten Autoren etwa K. May, C. Sealsfield und F. Gerstäcker zählen.

Während es im Dritten Reich zu einer staatlich gelenkten Kinder- und Jugendliteratur kam, entwickelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der DDR und der BRD zwei unterschiedliche Traditionen von Kinderbüchern: In Ostdeutschland orientierten sich die Autoren an sowjetischen Kinderbüchern, während in Westdeutschland das Spektrum der Kinderliteratur durch englische, amerikanische und skandinavische Kinderbücher erweitert wurde. Dabei standen zunächst phantastische Kinderbücher in Vordergrund, während in den 80er Jahren realistische Tendenzen und sozialaufklärerischer Anspruch an Bedeutung gewannen. Märchenhaft-phantastische Kinderbücher wie Die unendliche Geschichte von M. Ende erlangten jedoch schließlich auch bei erwachsener Leserschaft Popularität. Seitdem finden Kinderbücher einen erweiterten Betrachtungskreis und werden von Erwachsenen zumindest tendenziell als literarisch wertvoll anerkannt.



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