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Lexikon
Kronberger Malerkolonie

Die Kronberger Malerkolonie, beheimatet im kleinen, dörflichen Städtchen Kronberg im Taunus, wurde 1858 von Jakob Fürchtegott Dielmann (1809-85), der bereits in der Kolonie in Willingshausen gewirkt hatte, und Anton Burger (1824-1905) gegründet. Ihnen schlossen sich die Freunde Philipp Rumpf, Jacob Maurer, Angilbert Göbel und Karl Schäffer an.
Die Gruppe diskutierte künstlerische Probleme und schuf ländliche Szenen, oft vor landschaftlichen Hintergründen. Gemeinsam arbeitete man pleinair und wohnte, dauerhaft oder auf Zeit, im "Gasthof zum Adler".
Die Maler der Kronberger Kolonie blieben von den Neuerungen aus Frankreich nicht unbeeindruckt: Peter Burnitz (1824-86), der einige Zeit in Frankreich gelebt hatte und sich dort an der Schule von Barbizon orientiert hatte, vermittelte den französischen Pleinairismus und die Gattung der "paysage intime" nach Kronberg. Die realistischen Errungenschaften aus Barbizon setzten sich jedoch in Kronberg nur langsam durch, zumal Genreszenen und Veduten größeren Publikumserfolg erzielten. An der sukzessiven künstlerischen Anbindung Kronbergs an Frankreich wirkten neben Peter Burnitz auch andere Maler mit, insbesondere Adolf Schreyer, Norbert Schrödl, Friedrich Steinhardt, Heinrich Winter, Otto Scholderer, Victor Müller und Louis Eysen.
In den 1870er Jahren erweiterte sich der Kreis der Kronberger zunehmend, ein Großteil der Maler kam aus dem nahen Frankfurt. Die meisten unter ihnen - mehr als 20, darunter viele Frauen - wurden von Anton Burger ausgebildet; die übrigen hatten zumeist an der Kunstschule des Frankfurter Städelschen Institutes gelernt, wo Jakob Becker zu jener Zeit die prägende Persönlichkeit war. Anton Burger bewertete die akademische Ateliermalerei im Gegensatz zu Letzterem jedoch überaus kritisch und versuchte zudem, seinen Kronberger Schülern die barocke Kunst der Niederländer besonders in Landschaft und Genre nahe zu bringen. Zu den bedeutendsten Burger-Schülern zählen Philipp Franck (1860-1944), Nelson Kinsley (1863-1945) und Fritz Wucherer (1873-1948).
Um den Jahrhundertwechsel begann die Kronberger Malerkolonie, sich sukzessive aufzulösen. Bedeutende Mitglieder hatten Kronberg verlassen oder waren verstorben, so dass der Zusammenhalt nicht mehr in gleichem Maße gegeben war. Das Todesjahr Anton Burgers, 1905, markiert das Ende der Kronberger Malerkolonie.