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Künstlerkolonien in Belgien

Im südlich an Holland und nördlich an Frankreich angrenzenden Belgien, dem ehemaligen Flandern, war der Einfluss aus Paris und der dortigen Kunstszene naturgemäß besonders deutlich zu spüren, und auch die Ideen der Schule von Barbizon wurden in Belgien rasch und umfassend adaptiert.
Das Örtchen Tervuren nahe Brüssel wurde zum ersten "belgischen Barbizon": Dort formierte sich um Camille van Camp und Hippolyte Boulenger in den 1860er Jahren die "Schule von Tervuren", der bald auch Théodore Fourmois, Joseph Coosemans, Edouard Huberti, Alphonse Asselbergs, Jules Montigny, Jules Raeymaekers und andere angehörten. Diese erste Generation der "Schule von Tervuren" bevorzugte ein dunkles, gebrochenes Kolorit und widmete sich insbesondere der realistischen Freilichtlandschaft; größte Erfolge erzielte hier Hippolyte Boulenger mit seinen locker hingesetzten Pleinairbildern. Der Übergang zum Impressionismus gelang der zweiten Generation der "Schule von Tervuren" mit Jean-Baptiste de Greef, Willem Vogels, Franz Courtens, Isidoor Verheyden, Adolphe Hamesse und anderen. Nach 1910 verlor die Schule von Tervuren zunehmend an Bedeutung.
Neben der "Schule von Tervuren", unbezweifelt der wichtigsten Künstlerkolonie Belgiens, zogen auch andere Orte die flämischen Landschaftsmaler an: In Kalmthout mit seinen Heidelandschaften wirkten etwa Adrien Joseph Heymans, Isidore Meyers und Jacob Rosseels als "l`école du gris", benannt nach dem grautonigen Kolorit ihrer frühen Werke. Auch in den Ortschaften Anseremme, Genk und Mol bildeten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Künstlerkolonien, die bedeutende Werke hervorbrachten.
Im 20. Jahrhundert schließlich wirkte die Laethemer Schule, die sich in dem Dörfchen Sint-Martens-Latem zusammengefunden hatte, wegweisend auf die Kunstentwicklung der belgischen Moderne.


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