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Lexikon
Laethemer Schule (2.Generation)

Ab circa 1910 entstand ein neuer Kreis von Künstlern in dem flämischen Dorf Sint-Martens-Latem, der als zweite Generation der sogenannten Laethemer Schule bekannt ist. Die Mitglieder setzten sich von den symbolistischen Tendenzen der vorigen Generation ab und schlossen anfangs an den Postimpressionismus und den Luminismus an, um sich dann zunehmend vom Impressionismus loszulösen und sich zur expressionistischen Kunst hin auszurichten. Die Kolonie trennte sich während des Krieges, wurde aber in den zwanziger Jahren fortgesetzt und zum Teil erweitert.
Stilistisch bewegte sich die Künstlergruppe zwischen einer dem Postimpressionismus verpflichteten Malerei und einer zunehmend durch die französische und die deutsche Avantgarde geprägten Formvereinfachung und Vorliebe für das Primitive. Mehr oder weniger ungemischte Farbflächen rückten immer deutlicher ins Zentrum des Interesses. Das Werk Constant Permekes, der zu den wichtigsten Künstlern des Kreises zählte, spiegelt diese Konzentration auf das Wesentliche der Form, um allgemeingültige Werte ausdrücken, wider. Darüber hinaus zeichnen sich seine auf die menschliche Figur konzentrierten Darstellungen durch eine monumentale Schwere aus. Auch Gustave de Smets Hauptaugenmerk lag auf der synthetischen Gestaltung; seine Kompositionen zeigen allerdings eine konstruktivistischere Neigung und wirken weniger lyrisch und dramatisch als Permekes Werke.
So wie die erste "Laethemer Schule" bevorzugte auch die expressionistische Generation die Darstellung des bäuerlichen Lebens, wobei der Mensch und sein sozialer Alltag im Vordergrund standen.
Nach dem Krieg fand ein endgültiger Bruch mit impressionistischen Tendenzen statt und das Interesse verlagerte sich auf die Lebensbedingungen der Menschen. Dieser Schwerpunkt verdeutlicht eine Reaktion auf die Misere des Ersten Weltkrieges, die sich vom existentiellen Weltschmerz der deutschen Expressionisten absetzt.
Neben Permeke und de Smet gehörten auch Gust und Leon Desmet sowie Frits Van den Berghe zum expressionistischen Kreis der "Laethemer Schule". Sie hatten wiederum einen gewissen Einfluss auf die Maler der älteren Generation, wie zum Beispiel Albert Servaes, und wirkten auch auf andere Künstler, die erst in den zwanziger Jahren dazu stießen, wie etwa Jozef Cantré.