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Land Art

Land Art ist eine Kunstrichtung, die gegen Ende der 1960er Jahre in den USA entstand. Getrieben von dem Bestreben, die Grenzen des etablierten Kunstbetriebes aufzubrechen, suchten die Künstler nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, die außerhalb des Galerieraumes lagen. Vor diesem Hintergrund entdeckten sie die freie Natur und die ursprüngliche Landschaft als ihr Material. 1968 reisten Michael Heizer (geb. 1944) und Walter De Maria (geb. 1935) in die Mojave-Wüste, wo sie Zeichnungen in den Sand ritzten und den Erdboden aufgruben. Diese frühen Beispiele verweisen bereits auf die Problematik, Land Art-Projekte ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, waren sie doch durch die Witterung der Vergänglichkeit preisgegeben. Die Präsentation von Land Art-Werken, die außerdem an mitunter entlegenen und schwer erreichbaren Orten realisiert wurden, erfolgte darum häufig über filmische oder fotografische Aufzeichnungen. Dies war die Grundlage für den Fernsehfilm "Land Art" aus dem Jahr 1969, in dem ephemere, eigens für diesen Beitrag ausgeführte Projekte aufgezeichnet und, initiiert von der Fernsehgalerie Gerry Schum, in Form einer "Fernsehausstellung" ausgestrahlt wurden.
Eine weiterführende theoretische Erweiterung des in der Land Art so bedeutungsvollen Wechselverhältnisses von Innen und Außen lieferte Robert Smithson (1938-73), der das dialektische Begriffspaar "site" und "nonsite" definierte: Meint "site" einen real existierenden Ort im Außenraum, so ist "nonsite" ein Werk im Innenraum, das aus dem realen Ort transformiert wurde und gleichzeitig auf ihn verweist. Meisterhaft wurde dieses Konzept von Robert Smithson selbst umgesetzt, wenn er beispielsweise für das Werk "A Nonsite, Franklin, New Jersey" (1968) Materialien von diesem Ort in den Galerieraum verlagerte und dort als Stellvertreter dieses Ortes präsentierte.
In den späten 1960er und den 1970er Jahren entstanden Schlüsselwerke der Land Art, zu denen unter anderem die verhüllte Küste Sidneys von Christo und Jeanne-Claude ("Wrapped Coast" 1968-69), Robert Smithsons am Ufer des Großen Salzsees in Utah gelegene spiralförmige Aufschüttung "Spiral Jetty" (1970) oder das "Lightning Field" (1977) von Walter de Maria gehören. Insbesondere den Arbeiten von Richard Long (geb. 1945) eignet eine reduzierte Formensprache sowie häufig ein konzeptueller Ansatz, wenn er beispielsweise durch wiederholtes Auf- und Abgehen eine gerade gezogene Spur im Gras hinterlässt ("A Line Made by Walking, England", 1967), weshalb Verbindungslinien zur Minimal Art ebenso wie zur Konzeptkunst gezogen werden können.
Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass in Europa und in den USA unterschiedliche Begrifflichkeiten für die Kunstrichtung verwendet werden: Während sich in den USA im Zuge der beiden wegweisenden Ausstellungen "Earth Works" (1968) und "Earth Art" (1969) die Ausstellungstitel als Termini etablierten, setzte sich in Europa - in Anlehnung an die gleichnamige Fernsehausstellung von 1969 - die Bezeichnung "Land Art" durch.


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