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Lexikon
Leipziger Schule

Die Maler, die unter dem Sammelbegriff "Leipziger Schule" firmieren, sind weniger durch einen einheitlichen Stil als vielmehr durch ihre Wirkungsstätte - damit ist sowohl die Stadt Leipzig als auch die dortige Hochschule für Grafik und Buchkunst gemeint - verbunden.
In der 1949 gegründeten DDR sollte die Kunst die Entstehung einer sozialistischen Gesellschaft begleiten. Vor diesem Hintergrund wurde der Sozialistische Realismus als nationaler Stil propagiert, während andere Kunstauffassungen in der Formalismusdebatte abgelehnt worden waren. Bauern- und Arbeiterszenen gehörten zu den bevorzugten Sujets. Als Vorbereiter und Lehrer der nachfolgenden Leipziger Schule wirkten unter anderem Walter Arnold, Harald Hellmich, Gerhard Kurt Müller, Elisabeth Voigt, Ernst Hassebrauk, Max Schwimmer und Klaus Weber.
Seit Anfang der 1960er Jahre wurden die Leipziger Maler Bernhard Heisig (geb. 1925), Wolfgang Mattheuer (1927-2004), Werner Tübke (1929-2004) und - wenngleich seine Zugehörigkeit bisweilen kontrovers diskutiert wird - der Hallenser Willi Sitte (geb. 1921) als eine gemeinsame Leipziger Schule angesehen, womit die eigentliche Ära der Leipziger Schule eingeleitet wurde. Die Protagonisten, die gelegentlich als "Viererbande" bezeichnet wurden, teilen trotz der räumlichen Nähe - Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke unterrichteten an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, Willi Sitte an der Burg Giebichenstein in Halle - keinen gemeinsamen Stil. Werner Tübkes Gemälde und Zeichnungen sind an unterschiedlichen Einflussquellen geschult, zu denen Renaissance, Manierismus und der mexikanische Muralismo zählen. Das malerische und graphische Oeuvre von Wolfgang Mattheuer steht einem eher sachlich-nüchternen Stil nahe. Der Duktus von Bernhard Heisigs Arbeiten ist expressiv und bisweilen gestisch.
Neben Werner Tübke, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Willi Sitte, die zur ersten Leipziger Schule gerechnet werden, sind Harry Blume, Dietrich Burger, Hartwig Ebersbach, Hans-Hendrik Grimmling, Ulrich Hachulla, Rolf Münzner, Wolfgang Peuker, Günter Richter, Arno Rink, Arnd Schultheiß, Volker Stelzmann und Günter Thiele als wichtige Vertreter der zweiten und dritten Generation der Leipziger Schule anzuführen.
Eduard Beaucamps Berichte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatten in den 1970er Jahren maßgeblichen Anteil daran, dass die Leipziger Schule in Westdeutschland bekannt wurde und zum Inbegriff für Kunst in der DDR avancierte. Zur selben Zeit fand das Phänomen Leipziger Schule außerhalb des geteilten Deutschland kaum Resonanz. Erneute Aufmerksamkeit wurde den Künstlern der Leipziger Schule nach 1989 im vereinten Deutschland mit dem Erfolg ihrer Schüler, unter ihnen Tim Eitel, Martin Kobe, Neo Rauch oder Matthias Weischer, zuteil, die heute unter dem Signet der "Neuen Leipziger Schule" bekannt sind.