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Lexikon
Louis-seize

Auf die verspielte Leichtigkeit des Louis-quinze folgte, nach einer Phase des Übergangs von etwa 1755 bis 1760 ("Style Transition"), das Louis-seize, das seinen Namen der Regentschaft von Ludwig XVI. (1774-92) verdankt. Dem Primat der Sinnlichkeit, das das Louis-quinze charakterisierte, wurde, auch unter Einfluss der englischen Aufklärung, die Forderung nach Wahrheit in der Darstellung entgegengesetzt - ein Anspruch, der die Entwicklung des Klassizismus begünstigen sollte. An dessen Beginn stehen international Stilformen, die Elemente des Rokoko oder Spätbarock mit klassizistischen Tendenzen vermengen; in Frankreich trägt dieser Zwischenstil den Namen "Louis-seize".
Als Epoche der Möbelkunst und der Architektur wird eine erste Phase bis 1774 von einer zweiten bis 1790 getrennt, wobei Marie-Antoinettes verfeinerter Geschmack auf letztere Einfluss nahm: Die Königin drängte auf eine Erneuerung des Palastmobiliars durch Jean-Henri Riesener, der das Louis-seize mit begradigten Corpi und figürlichen Ornamenten anstelle des abstrahierten Rocaille-Schmucks elegant und luxuriös umsetzte. Tiere, Blütenkörbe und Zweige, Girlanden und Fruchtstäbe sowie antikisierende Motive schmückten die Louis-seize-Möbel Rieseners. Zur Verbreitung dieses Stils trug maßgeblich Henri von Salembier, der bedeutendste Ornamentstecher des Louis-seize, bei.
Für die Architektur gilt Ange-Jacques Gabriel mit seinem Hauptwerk, dem "Petit Trianon" in Versailles (1762-66), als mustergültig. In der Skulptur ist etwa Jean-Baptiste Pigalle zu nennen, Hauptvertreter ist Jean-Antoine Houdon (1741-1828) mit seinem lebensvollen und charakterstarken, bereits frühklassizistischen Werk.
Jean-Baptiste Greuze (1725-1805) mit seinen empfindsamen Sittenbildern und Porträts ist die Galionsfigur der Louis-seize-Malerei. In der Kunst des Pastellbildnisses rechnen Jean-Étienne Liotard und Jean-Baptiste Perronneau zu den Hauptmeistern. Das Porträt war auch bevorzugte Gattung von Élisabeth Vigée-Lebrun, deren Werk bereits zu weiten Teilen dem Klassizismus zuzuordnen ist.
Ein Ausnahmekünstler der Epoche und zugleich ein künstlerischer Einzelgänger ist Jean Siméon Chardin (1699-1779), der sich Stillleben, Genrestück und Bildnis verschrieben hatte. Chardins Kunst zeugt von einer intensiven Beschäftigung mit den Holländern des Hochbarock, besonders mit den ruhigen "Zustandsbildern" der Delfter Schule, deren stilllebenhafte Eigenart er noch intensivierte. Seine zarte Farbpalette, der weich tupfende Duktus und die ausgewogenen Kompositionen erzeugen eine ruhige, tiefe und ergreifende Harmonie.