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Malerkolonie Frauenchiemsee

München war von Ludwig I. zur Kunststadt erhoben worden. Zahlreiche Maler hatten so im 19. Jahrhundert den Weg nach Oberbayern gefunden, und einige von ihnen machten sich auf, die Umgebung zu erkunden. Dieses Ansinnen führte den Landschaftsmaler Maximilian Haushofer (1811-66) 1828 auf die Fraueninsel im Chiemsee, die früher Frauenwörth genannt wurde. Zurück in München verbreitete er bald die Kunde von der wunderschönen, unberührten Insel, und 1829 pilgerte die erste Künstlerschar an den Chiemsee - die Kolonie war geboren.
1834 stieß Christian Christoph Ruben (1805-75) hinzu, der gemeinsam mit Max Haushofer, der zwischenzeitlich sein Schwager geworden war, jeden Sommer auf der Insel Frauenwörth verbrachte. Viele Künstler scharten sich in der Folge um Max Haushofer und Christian Christoph Ruben, zu den bekanntesten rechnen Arthur Georg Freiherr von Ramberg, Ferdinand Barth, Josef Friedrich Lentner, Ludwig von Löfftz, Gustav Paul Cloß, Carl Adolf Mende und Franz von Seitz. Die Maler der Künstlerkolonie Frauenchiemsee nannten sich selbst die "Pleinairisten" und widmeten sich in besonderem Maße der Freilichtmalerei, die eigenartigen Lichtstimmungen der Fraueninsel in ihren Bildern einfangend.
Schon bald war die Kolonie auf Frauenwörth international bekannt geworden und zog Maler aus ganz Europa und sogar aus Amerika an den Chiemsee. Unter den zahlreichen Besuchern der Malerkolonie finden sich die Namen vieler bekannter Künstler, darunter Hans von Marées und Ferdinand von Miller.
Eine zweite Blütezeit der Malerkolonie am Chiemsee setzte ab den 1870er Jahren ein. Ihre Protagonisten waren Karl Raupp (der "Chiemsee-Raupp") und Joseph Wopfner, die beide bei Karl von Piloty studiert hatten. Besonders Karl Raupp versah seine Chiemsee-Szenen mit theatralischem Pathos. Im neuen Jahrhundert und besonders ab den 1920er Jahren verlor sich die Bedeutsamkeit der Chiemsee-Kolonie zunehmend, wenngleich Fritz Sckell weiterhin für Zusammenhalt unter den Malern sorgte.


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