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Lexikon
Nazarener

Innerhalb der Epoche der Romantik ist die Künstlergruppe der Nazarener (Lukasbund) sowohl in topographischer als auch in stilistischer und motivischer Hinsicht abzugrenzen.
Aus der Ablehnung klassizistischer Kunst und einem Aufbegehren gegen die starren Lehrmethoden an der Wiener Akademie erwuchs 1808 ein Zusammenschluss von sechs Studenten, namentlich Friedrich Overbeck, Franz Pforr, Johann Konrad Hottinger, Joseph Sutter, Ludwig Vogel und Joseph Wintergerst. Im Juli 1809 gründeten sie den Lukasbund und wandten sich zunehmend von der Akademie ab. 1810 gingen die Lukasbrüder nach Rom und lebten und arbeiteten gemeinsam im Kloster Sant'Isidoro. Die monastische Lebensweise hatte einen Widerhall in der christlichen Überzeugung der Lukasbrüder, im katholischen Glauben die spirituelle Inspirationsquelle für ihre Kunst zu finden. Dementsprechend widmeten sie sich vornehmlich den biblischen Sujets. Aufgrund ihres Äußeren, das in Kleidung und Haartracht an Christus und seine Jünger erinnerte, gab man ihnen den Spottnamen "Nazareni", der in der Folge zur gebräuchlichen Bezeichnung wurde.
Friedrich Overbeck und Franz Pforr sind die Hauptmeister der Bewegung. Zahlreiche Künstler standen in Beziehung zu den Nazarenern, unter ihnen sind die Brüder Ferdinand und Friedrich Olivier, Joseph Anton Koch, Julius Schnorr von Carolsfeld, Johann Evangelist Scheffer von Leonhardshoff und Carl Philipp Fohr. In Rom arbeiteten außerdem Philipp Veit, Wilhelm von Schadow und Peter von Cornelius.
Alte Kunst, vor allem die Werke Albrecht Dürers und Raffaels, prägte den Stil der Nazarener. Die exakte und scharf konturierende Linienführung geht auf Raffael zurück. Linie und Zeichnung wurde ein hoher Stellenwert zuerkannt, die oft pastelligen Farben wurden entsprechend ihres symbolischen Gehaltes ausgewählt, um Gefühle und Stimmungen zu transportieren. Neben den religiösen Szenen finden sich Bildnisse, auf denen die Figuren häufig in altdeutsch anmutende Gewänder gekleidet sind; ihre schönen und fein gezeichneten Gesichter wirken oft andächtig und in sich versunken.
Ein Hauptwerk der Nazarener-Bewegung ist Friedrich Overbecks "Italia und Germania" (1828): Maria und Sulamith verkörpern, im Bild harmonisch und innig vereint, die altdeutsche und die italienische Gesinnung.
Der Einfluss der nazarenischen Kunst machte sich vor allem in Düsseldorf, Berlin und München bemerkbar, hatte Peter von Cornelius den Stil doch selbst in diesen Städten verbreitet.