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Lexikon
Neobarock

Wie auch andere Neostile prägte sich der Neobarock, der in seiner Blütezeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Neorenaissance ablöste, hauptsächlich in der Architektur aus. Auf besonders fruchtbaren Boden fiel er dort, wo man sich auf eine reiche barocke Bautradition berufen konnte, so beispielsweise in Deutschland, Österreich, Ungarn und Böhmen. Deutsche Baumeister waren es auch, die den Neobarock in Russland, dort vor allem in Sankt Petersburg, populär machten, wo der Stil bevorzugt für herrschaftliche Prachtbauten Verwendung fand. Hauptwerk des französischen Neobarock ist das Pariser Opernhaus (1861-75) von Charles Garnier. Die architektonischen Grundformen wurden dem barocken Schloss- und Klosterbau entlehnt, der praktische Raumorganisationen ermöglichte. Kennzeichen der Bauten sind ferner überbordender, prächtiger und materialreicher Bauschmuck sowie wuchtige Säulen und Kuppeln, die der Repräsentation und dem Pathos dienten. In Deutschland sind diese Stilprinzipien unter anderem am Berliner Reichstagsgebäude (1884-94) und am Justizpalast in München (1891-97) ausgebildet.
Bedeutendster Bildhauer der Epoche ist Reinhold Begas (1831-1911). Mit seinen monumentalen, plastisch durchgebildeten und eloquenten Werken, deren Bildsprache an Michelangelo, Bernini und der römischen Barockskulptur geschult ist, gilt er zudem als wichtigster Vertreter der Berliner Bildhauerschule. Zu seinen berühmtesten Arbeiten zählen der Neptunbrunnen (1886-91), der ursprünglich vor dem Berliner Schloss aufgestellt war, und das Bismarck-Denkmal (1897-1901).
Im Gegensatz zu anderen Neostilen erfreute sich der Neobarock bis ins 20. Jahrhundert hinein großer Beliebtheit, indem er beispielsweise mit seinem Formenrepertoire den Jugendstil vorbereitete und ergänzte.