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Neoklassizismus der klassischen Moderne

Der Neoklassizismus fand in der klassischen Moderne vor allem in der Malerei und in der Bildhauerei reichen Niederschlag. Generell ist dieses Phänomen an den gleichen Prinzipien geschult wie der historistische Neoklassizismus, der im späten 19. Jahrhundert auftrat und sich durch eine Bezugnahme auf das klassische Altertum wie auf den Klassizismus des 18. Jahrhunderts auszeichnet.
In der Malerei der klassischen Moderne sind beispielsweise bei Georges Braque (1882-1963), Juan Gris (1887-1927) und Pablo Picasso (1881-1973) neoklassizistische Anklänge zu finden. Pablo Picasso berief sich, im Anschluss an die Phase des synthetischen Kubismus, zwischen etwa 1917 und den frühen 1920er Jahren verstärkt auf die klassische Tradition und vereinte diese Einflüsse mit seinem bisherigen Kunstschaffen. Entscheidende Impulse erhielt Pablo Picasso sicherlich im Zuge eines längeren Italienaufenthaltes, der es ihm ermöglichte, Kunstwerke aus der Antike und der Renaissance eingehend zu studieren. In der Folge entstanden Werke wie das "Bildnis Olga in einem Sessel" (1917) oder die Entwürfe für den Bühnenvorhang des Balletts "Parade" (1917), die zunächst radikal mit dem Perspektiven und Ebenen aufspaltenden Kubismus brechen und eine eher flächige, die Linie betonende Figuration aufweisen. Daneben scheinen die monumentalen, klar umrissenen Frauenbildnisse, die in den frühen 1920er Jahren entstehen, Haltungsmotive und Gewandungen antiker Skulpturen zu reflektieren (beispielsweise "Sitzender weiblicher Akt, sich den Fuß trocknend" oder "Drei Frauen an der Quelle", beide 1921).
In Abgrenzung zum Fortschrittsdenken der Futuristen wurde auch von einigen italienischen Künstlern die Rückbesinnung auf alte Meister, deren Techniken und Kunstauffassung propagiert. Allen voran war es einer der Hauptvertreter der "Pittura Metafisica", Giorgio de Chirico (1888-1978), der in seinem Manifest "Die Rückkehr zum Handwerk" 1919 erklärte, er sei ein "klassischer Maler" ("pictor classicus sum").
Für den Bereich der Bildhauerei sind schließlich Künstler wie Georg Kolbe (1877-1947) und Adolf von Hildebrand (1847-1921) anzuführen, deren Körperauffassung aus einer Auseinandersetzung mit der antiken griechischen und römischen Plastik resultierte.


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