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Lexikon
New Yorker Dadaismus

Auch in New York fasste der Dadaismus ab 1919 Fuß: Hier trafen die zwei französischen Exilanten Marcel Duchamp (1887-1968) und Francis Picabia (1879-1953) mit den Amerikanern Man Ray (1890-1977), Morton Schamberg (1881-1918), Alfred Stieglitz (1864-1946) und Walter Arensberg (1878-1954) zusammen. Als Verbreitungsorgane des New Yorker Dadaismus entstanden Zeitschriften wie die nach der Straßennummer von Alfred Stieglitzs Galerie benannte "291" und die später von Francis Picabia herausgegebene "391".
Wie in anderen europäischen Zentren sorgten auch die Aktivitäten des New Yorker Dadaismus für einige Aufregung. So trat zum Beispiel der Literat und Boxer Arthur Craven - nach einem Arrangement von Marcel Duchamp - vor einer vornehmen Gesellschaft mit einem Koffer voll schmutziger Wäsche auf.
Der New Yorker Dadaismus teilte zwar mit den anderen Zentren der Bewegung eine ironische und provokative Haltung, blieb aber fern von jedem politischen Hintergrund. Eine weitere Eigenart des New Yorker Dadaismus war die große Bedeutung der bildenden Kunst, die in Zürich und Paris nach der Literatur eine deutlich sekundäre Rolle spielte.
Den von den Dadaisten angestrebten Bruch mit der kunsthistorischen Tradition veranschaulichen Werke wie Marcel Duchamps Version der "Mona Lisa" mit Bart ("L.H.O.O.Q.", 1919). In seinen Fotomontagen, Collagen und paradoxen Objektkonstruktionen wie dem aus einem Bügeleisen mit Nägeln bestehenden "Geschenk" (1921) kombinierte Man Ray wiederum unterschiedliche Materialien und Fragmente, die zu überraschenden Ergebnissen führten und die Grenzen der Vernunft hinterfragten.
Die Erhebung des alltäglichen Gebrauchsgegenstands zum Kunstwerk erreichte mit Marcel Duchamps "Ready-mades" einen Höhepunkt. Dabei handelt es sich um Produkte der Massenherstellung, die willkürlich - und nicht wie beim "objet trouvé" nach ästhetischen Kriterien - ausgewählt wurden. Das berühmteste Beispiel dieser Gattung ist das "Fountain (Springbrunnen)" genannte Pissoir, das signiert und 1917 als Kunstwerk präsentiert wurde. Durch seine "Ready-mades" trug Marcel Duchamp zur Entgrenzung des Kunstbegriffs bei und regte die Reflexion über die kontextbezogene Wahrnehmung von Kunst an. Damit öffneten Marcel Duchamp und mit ihm der New Yorker Dadaismus wichtige Wege für die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.


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