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Posthistoire

Als "Posthistoire" wird eine an der Philosophie des Poststrukturalismus ansetzende Tendenz in der postmodernen Malerei der 1980er Jahre bezeichnet. Zuerst fand der Begriff nur in Frankreich Verwendung, doch schon bald breitete er sich auch im restlichen Europa aus.
Wörtlich meint Posthistoire den auf das "Ende der Geschichte" folgenden Abschnitt. Die figurative Kunst des Posthistoire ist dementsprechend durch historische Bezugnahmen gekennzeichnet: Aus unterschiedlichen Epochen der Geschichte, auch aus der Gegenwart und der Zukunft, wurden Einzelelemente extrahiert und neuartig, oftmals auch irritierend kombiniert. Es entstanden Zitatmontagen von reizvollem Kontrastreichtum, die sich nicht scheuen, auch Motive von erhabenem Ernst durch die Zusammenschau mit Banalem oder Gegensätzlichem vom Sockel zu stoßen. Ein ironisch unterfütterter Kulturpessimismus ist die Grundlage des Posthistoire.
Zu den Hauptvertretern des Posthistoire rechnen François Rouan (geb. 1943) und Gérard Garouste (geb. 1946) in Frankreich sowie die russischstämmigen Künstler Vitaly Komar (geb. 1943) und Alexander Melamid (geb. 1945) in den USA. Die beiden Letztgenannten, die als "Komar & Melamid" eng zusammenarbeiteten, befassten sich auch augenzwinkernd mit dem Sozialistischen Realismus und der kultischen Überhöhung Stalins. Exemplarisch kann hierfür ihr Gemälde "The Origin of Socialist Realism" (1982/83) angeführt werden, das in fotografisch exakter, altmeisterlich-feinmalerischer Manier einen statuarisch erstarrten Stalin zeigt, der von einer reizvollen Muse liebkost wird.


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