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Lexikon
Präraffaeliten

Eine Strömung eigener Prägung sind die Präraffaeliten, eine Gruppierung englischer Maler, die sich 1848 unter dem Namen "Pre-Raphaelite Brotherhood" (das Kürzel PRB wurde gerade in der Anfangszeit häufig als Signatur verwendet) zusammenschloss. Der Impetus für die Gründung der Gruppe lag - wie zuvor bei den Nazarenern - in einer Unzufriedenheit mit der vorherrschenden Lehre an den Kunstakademien, wo die Kunst Raffaels zum Leitstern erhoben wurde. Im Gegensatz dazu sahen die Präraffaeliten, im Einklang mit dem von ihnen gewählten Namen, gerade in der Kunst vor Raffael die wirkliche Bezugsgröße für ihre Kunst.
Zum Themenspektrum der Präraffaeliten gehörten biblische Sujets, bei denen die Versenkung im Bibelwort und die Übertragung dieser Empfindung in die Bilder im Vordergrund standen, Landschaften, Genreszenen und Porträts. Große Bedeutung kam der Darstellung allegorisch aufgefasster Gestalten zu, die oftmals, wie bei "Ophelia" (1851-52) von John Everett Millais (1829-96), einem der berühmtesten präraffaelitischen Gemälde, der Literatur entlehnt wurden.
Wichtigste Inspirationsquelle und einendes Charakteristikum war die Bedeutung der Natur, die in ihrer ganzen Fülle - gemäß dem Motto John Ruskins "rejecting nothing, selecting nothing" - bis ins kleinste Detail sorgfältig erfasst werden sollte. Diese malerische Akribie wurde von der zeitgleichen Entwicklung der Fotografie begleitet.
Neben Millais war Dante Gabriel Rossetti (1828-82) wichtigster Vertreter der Präraffaeliten. Ferner sind James Collinson, William Dyce, William Holman Hunt, Frederick Sandys und Ford Madox Brown der Strömung zuzurechnen.