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Lexikon
Regency Style

Der Regency Style (zu deutsch "Regentschafts-Stil") löst in England den spätbarocken beziehungsweise frühklassizistischen Georgian Style ab und leitet zum Historismus des viktorianischen Zeitalters über. Die Epochenbezeichnung rekurriert von der Regentschaft des Prinzen von Wales ab 1811; als Stilbegriff ist Regency auf die Jahrzehnte zwischen 1800 und 1830, eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Industrialisierung, ausgeweitet. Der Regency Style verlieh insbesondere Zweck- und Wohnbauten, Möbeln und Kunsthandwerk ihr Erscheinungsbild.
Die Architektur der Epoche wurde maßgeblich von der Verwendung von Gusseisen geprägt. Der Brückenbau war ein klassisches, aber längst nicht das einzige Anwendungsgebiet des Materials, wie etwa der orientalisierende "Royal Pavilion" in Brighton (John Nash, 1815-22) belegt. Dessen Formensprache steht zugleich für die Beliebtheit exotischer Motive, die sich auch in der Möbelkunst widerspiegelt. Auf diesem Feld war George Smith der Hauptvertreter, der sein Mobiliar mit ägyptischem, chinesischem und gotischem Zierrat schmückte. Insgesamt setzte man dem reichen Adam Style in der Möbelkunst eine solide, schwere Geradlinigkeit entgegen, die sich aus der Rezeption antiker Formensprache speiste. Thomas Hope, der 1807 das Buch "Household Furniture and Interior Decoration" (Alltagsmöbel und Innendekoration) veröffentlicht hatte, zählt hier zu den bedeutendsten Meistern.
Eine sanfte Überleitung zum frühviktorianischen Stil gelang in der Skulptur des Regency Style (Matthew Cotes Wyatt, William Behnes, Samuel Joseph). Die zugleich realistische und romantische Landschaftsmalerei jener Jahre erlebte durch John Constable (1776-1837), William Turner (1775-1851) und die Vertreter der Norwich School eine Blütezeit; zudem kam es zu intensiven Auseinandersetzungen mit der politischen und sozialen Karikatur (James Gillray, Thomas Rowlandson).