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Lexikon
Rokoko und Spätbarock im Hl. Römischen Reich Deutscher Nation

Das französische Rokoko verbreitete sich rasch in ganz Europa und fiel ab etwa 1730 auch in den Ländern des Hl. Römischen Reichs Deutscher Nation, den italienischen Einfluss teilweise zurückdrängend, auf fruchtbaren Boden. Es entstand dabei ein nicht bloß rezipierender, sondern schöpferischer und eigenständiger Stil: In der Baukunst etwa erhält die Prunktreppe eine neuartige, theatralische Prägung (Brühl, Würzburg, Bruchsal). Johann Balthasar Neumann oder der Österreicher Johann Lucas von Hildebrand können auf dem Feld der Architektur neben anderen als Exponenten des Spätbarock im Alten Reich gelten. Bedeutsam für die Baukunst ebenso wie für die Übernahme französischer Ornamentik war besonders der ehemalige Hofzwerg François de Cuvilliés d.Ä. (1695-1768); nicht zuletzt sind die in allen Gattungen wirkenden Asam-Brüder Cosmas Damian (1686-1739) und Egid Quirin (1692-1750) anzuführen.
Die Malerei im Hl. Römischen Reich Deutscher Nation war in den katholischen Gebieten von der Monumentalmalerei, vorrangig von Wand- und Deckenfresken und großformatiger Altarkunst, dominiert. Durch Künstler wie Ricci, Tiepolo und Amigoni vermittelte Einflüsse aus Italien, im Besonderen aus Venedig, greifen dabei gerade im Süden des Reiches stärker als französische Muster. Hauptvertreter sind die an Italien (Solimena) orientierten Meister Paul Troger (1698-1762) und Daniel Gran, wobei besonders ersterer stilbildend wirkte: Johann Jakob Zeiller und Martin Knoller sind unter seinen vielen Schülern hervorzuheben, an erster Stelle aber der in seiner Malerei ekstatisch-visionäre Franz Anton Maulpertsch (auch: Maulbertsch, 1724-1796). Maulpertsch war, wie auch Christian Wink, zudem ein Hauptmeister der Ölskizze, einer im Rokoko zum Sammlerobjekt aufgewerteten Gattung. Der Augsburger Johann Georg Bergmüller, Lehrer etwa von Johann Evangelist Holzer oder Gottfried Bernhard Götz, steht für den ornamental-manierierten Stil seiner Heimatstadt. Im Porträt wirkte neben aus Frankreich berufenen Meistern Johann Kupecký in einem lebendigen Stil, hinzu kamen die Schweden Martin van Meytens und George Desmarées. Anton Graff war Hauptmeister der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Religiöse Sujets bestimmten die Plastik besonders im Süden des Alten Reichs. Einen späten Barock präsentieren die Arbeiten von Georg Raphael Donner oder Balthasar Permoser, während die jüngeren Meister Joseph Anton Feuchtmayer, Ignaz Günther (1725-75) und Johann Baptist Straub einen sinnlichen und lebendigen Rokoko-Stil pflegen.