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Ruppelwerk

Die Metallwarenfabrik Ruppelwerk in Gotha hat nur kurze Zeit Produkte im Stil des Bauhauses produziert. Verantwortlich war hierfür Marianne Brandt (1893-1983), die bereits in der Zusammenarbeit mit Kandem ihre Befähigung im Industriedesign unter Beweis gestellt hatte.
Nach ihrem Ausscheiden am Bauhaus arbeitete Marianne Brandt zunächst in Walter Gropius` Berliner Bauatelier. Doch schon bald war sie, obwohl Gropius sehr zufrieden mit ihrer Arbeit war, gezwungen, sich nach neuen Betätigungsmöglichkeiten umzusehen. Also trat sie am 10. Dezember 1929 bei der Ruppelwerk GmbH in Gotha ein und wurde dort Leiterin der "Entwurfsabteilung Metall- und Massengüter in lackiertem Stahlblech". Neben neuen Entwürfen rechnete auch die Überarbeitung der kunstgewerblichen Produkte des Ruppelwerks zu ihren Aufgabengebieten. Marianne Brandts Ziel war, das, wie sie an Gropius schrieb, "recht verworrene u. wenig freundliche gesamtbild der produktion" des Ruppelwerks auf Bauhaus-Kurs zu bringen.
Tatsächlich war dies keine ganz einfache Aufgabe: Die Produktlinie des Ruppelwerks war gänzlich unmodern und mit kitschigen, nutzlosen Objekten durchsetzt; zudem war die Führungsstruktur des Konzerns von starren Hierarchien geprägt. Diese nur wenig kreative Arbeitsatmosphäre frustrierte Marianne Brandt. Ihre modernen Ideen fanden keine begeisterte Aufnahme, das Ruppelwerk hielt an seinen altmodischen, überladenen Produkten fest. So schrieb Marianne Brandt in einem Brief an László Moholy-Nagy, es käme ihr nicht ungelegen, wenn auch sie von der Entlassungswelle am Ruppelwerk betroffen wäre, da sie vieles mittragen müsse, mit dem sie sich nicht identifizieren könne und zudem mit der Firmenleitung keineswegs harmoniere. Dass sie dennoch blieb, bis sie Ende Oktober 1932 aufgrund der finanziellen Situation des Ruppelwerks ihren Posten verlor, war insbesondere ihrem sozialen Verantwortungsgefühl geschuldet: Mit ihrem Lohn konnte Marianne Brandt Familie und Freunde unterstützen.
Trotz ihrer mehr als schwierigen Position am Ruppelwerk war es Marianne Brandt gelungen, dort zwischenzeitlich einen bedeutenden Wandel herbeizuführen: Grundlegend nahm sie Luxusgüter und "Scherzartikel" aus dem Sortiment und ersetzte sie durch zweckmäßige, nützliche Produkte. Im Design dieser Artikel gelang ihr die Überwindung der überladenen Formen und Dekore. Stattdessen belebte Marianne Brandt die reduzierten Arbeiten aus lackiertem Blech mit Glaselementen, Holzkugeln und verchromten Teilen. Gerade die Verbindung von Glas und mattschwarz lackiertem Metall ist charakteristisch für viele Arbeiten, die Marianne Brandt für das Ruppelwerk schuf und die oftmals eine gewisse Nähe zum Art Deco aufweisen.
Zu Marianne Brandts herausragendsten Designs für das Ruppelwerk zählt ein kugelförmiges, mattschwarzes Tintenfass aus Metall mit halbkugelförmigem Kippdeckel aus Pressglas. Auch elegante Schreibtischgarnituren oder Uhren aus Stahlblech in noch heute völlig überzeugender, sachlich-ästhetischer Formensprache können als Beispiele der "Bauhaus-Linie" des Ruppelwerks angeführt werden. Möglicherweise war Marianne Brandt auch am berühmtesten Produkt des Ruppelwerks, dem "Tastlicht", beteiligt.
Nach Marianne Brandts Ausscheiden beim Ruppelwerk Ende 1932 wurden viele ihrer Produkte anonymisiert oder verändert, so dass kaum mehr auszumachen ist, welcher Anteil der Bauhäuslerin zuzuschreiben ist.

Vgl.: Otto, Elizabeth (Hg.): Tempo, Tempo! Bauhaus-Photomontagen von Marianne Brandt (= Tempo, Tempo! The Bauhaus photomontages of Marianne Brandt), hrsg. für das Bauhaus-Archiv, Berlin 2005.


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