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Lexikon
Schule von Fontainebleau

Die Schule von Fontainebleau bezeichnet eine zeitlich, räumlich und schließlich stilistisch eingrenzbare Ausprägung des Manierismus in Europa. Der Entschluss König Franz I., 1527-28 seinen Hauptwohnsitz ins Schloss Fontainebleau bei Paris zu verlegen, ging mit umfassenden Umbauarbeiten einher, die sich vor allem auf die Dekoration und Ausstattung niederschlugen. Um sein Vorhaben zu verwirklichen, holte der König italienische Künstler nach Frankreich, die den italienischen Manierismus mit französischen Elementen vereinten. Die Hauptvertreter der ersten Schule von Fontainebleau, die von 1530 bis 1570 reichte, sind Rosso Fiorentino (1494-1540) und Primaticcio (1504-70). Rossos Meisterwerk ist die prachtvolle "Grande Galerie", die er mit Wandmalereien, Steininkrustationen, Holz- und Stuckelementen dekorierte.
Zwischen 1590 und 1610-20 etablierte sich die zweite Schule von Fontainebleau. Die Künstler kamen nicht länger nur aus Italien, sondern stammten vorwiegend aus Flandern, den Niederlanden und Frankreich. Ein Großteil der Künstler blieb anonym, namentlich bekannte Vertreter sind unter anderen Ambroise Dubois, Antoine Caron und Toussaint Dubreuil. Biblische Sujets gehörten nicht zum Themenspektrum der Schule von Fontainebleau. Stattdessen wurden mythologische und häufig auch erotische Themen umgesetzt. Charakteristische Stilmerkmale sind die für den Manierismus typischen gestreckten Proportionen der Körper, gedämpftes Kolorit, helles Inkarnat und eine klare Linienführung. Die halbfigurigen, oft barbusigen Frauenakte sind häufig von einem aufgezogenen Brokatvorhang gerahmt, der intime Einblicke eröffnet. Dennoch strahlen gerade diese Bilder eine merkwürdig spröde Emotionalität aus, deren bisweilen kühle Erotik durch manierierte Gesten unterstrichen wird.
Über Kupferstiche und Gobelins fand der Stil vor allem in Frankreich und Nordeuropa, nicht jedoch in Italien, weite Verbreitung.