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Situationistische Internationale

Die "Situationistische Internationale" war eine international agierende kulturrevolutionäre Avantgardebewegung, die zwischen 1957 und 1972 bestand. Die "Situationistische Internationale" wurde am 28. Juli 1957 im norditalienischen Dörfchen Cosio D'Arroscia ins Leben gerufen. Initiator, Gründungsmitglied und Theoretiker der Gruppe war Guy Debord (1931-94), der bereits 1952 zusammen mit Gil J. Wolman die "Lettristische Internationale" aus der Taufe gehoben hatte, die in der "Situationistischen Internationale" aufging.
Ziel der "Situationistischen Internationale" war eine Revolution der modernen Kultur und der Gesellschaft. Diesbezüglich formulierte Guy Debord bereits 1957: "Unser Hauptgedanke ist der einer Konstruktion von Situationen - d.h. der konkreten Konstruktion kurzfristiger Lebensumgebungen und ihrer Umgestaltung in eine höhere Qualität der Leidenschaft." Die angestrebten Umwälzungen beinhalteten auch eine Umdeutung des Kunstbegriffs: Das Kunstwerk sollte aus dem zum "Spektakel" verkommenen Leben abgekoppelt und letztlich abgeschafft werden. Aus diesem Grund wurden bis zum Jahr 1962 Künstler, die sich weigerten, ihr Kunstschaffen diesem Ansinnen zu opfern, ausgeschlossen. Dennoch entstanden im Umkreis der "Situationistischen Internationale" Kunstwerke, zu denen neben Collagen, Malerei und Zeichnungen auch visionäre stadtplanerische Utopien wie beispielsweise Constants (1920-2005) Entwurf "New Babylon", an dem er seit Mitte der 1950er Jahre arbeitete, gehören.
Neben den bereits genannten Situationisten sind beispielsweise Giuseppe Pinot Gallizio und Asger Jorn vom "Mouvement International pour un Bauhaus Imaginiste", Uwe Lausen, Jørgen Nash, Maurice Wyckaert, Ralph Rumney, Jacqueline de Jong und die Münchner Gruppe "SPUR", welche 1959 zur offiziellen deutschen Sektion ernannt worden war, unter den im Lauf der Jahre insgesamt über 70 Mitgliedern der "Situationistischen Internationale". Die Bedeutung der "Situationistischen Internationale", deren Einfluss nicht mit ihrer Auflösung im Jahr 1972 endete, sondern weit darüber hinaus Wirkung entfaltete, liegt einerseits in ihrem gesellschaftskritischen und kulturpolitischen Beitrag, andererseits in ihrer radikalen Befragung des etablierten Kunstbegriffes.


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