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Stadtansichten

Der Begriff Stadtansichten, auch Prospekte oder Veduten genannt, oder alte Stadtansichten bezeichnet ein spezielles Sammelgebiet aus dem Bereich der Antiquitäten und alten Graphik. Es handelt sich dabei um die in verschiedenen Drucktechniken auf Papier hergestellten, manchmal farbigen Stadt- und Landschaftsansichten, die aus Städtebüchern, Ansichtenwerken, Reisewerken, Atlanten und anderen topographischen und geographischen Werken des 15. bis 19 Jhs. stammen und als Einzelexemplare oder Konvolute auf Auktionen, Messen oder in Antiquariaten an Händler und Liebhaber verkauft werden.

Die verbreitetsten Techniken zur Herstellung von alten Stadtansichten sind Holzschnitt, Kupferstich bzw. Aquatinta und Radierung, Lithographie, Stahlstich und Holzstich.

Die frühesten Beispiele von gedruckten Stadtansichten stammen aus H. Schedels Weltchronik Liber chronicarum, die 1493 erschien. Die dort enthaltenen ca. 30 abgedruckten Stadtansichten waren wohl nur zum Teil nach der Natur gezeichnet. Bei den bekanntesten topographischen Werken des 16. Jh. handelt es sich um S. Münsters Cosmographia universale (Basel 1544) sowie dem ersten ausschließlich Stadtansichten gewidmeten Werk Civitates orbis terrarum von G. Braun und F. Hogenberg. Dieses wohl berühmteste Städtebuch der Renaissance und Standardwerk der Topographie erschien von 1572-1618 ins insgesamt 6 Bänden und setzte an Umfang und Qualität neue Maßstäbe. Die sorgfältig radierten Stadtansichten dienten zahlreichen anderen Verlegern als Vorlage, so z. B. P. Kaerius, P. Bertius, und D. Meissner (Schatzkästlein, 1623-31). Die Platten wurden von J. Janssonius erworben, der sie für ein eigenes mehrbändiges Städtebuch (ab 1657) benutzte und teils umarbeitete.

Im 17. Jahrhundert war M. Merian in Frankfurt wohl der bedeutendste Verleger von Stadtansichten. Seine 16-bändige Topographien (1642-88) und das Theatrum Europaeum, das 1635 begonnen und 1738 mit dem 21. Band abgeschlossen wurde, sind in ihrer reichen Ausstattung an Landkarten und Stadtansichten einmalig. Im 18. Jh. folgten Werke, die bevorzugt großformatige Detailansichten von Gebäuden und Monumenten enthielten, bekannte Verfasser war hier unter anderem Fischer von Erlach (Entwurff einer historischen Architectur 1721). In Italien schuf G. B. Piranesi ab Mitte des 18. Jhs. seine berühmten Veduten von Rom und anderen italienischen Städten. Die schönen großformatigen Kupfer (veröffentlicht u. a. in Antichità Romane 1748ff.) gehören im Handel zu den begehrteste Einzelobjekten im Bereich Alte Stadtansichten.

Die Lithographie, die Ende des 18. Jhs. erfunden wurde, wurde meist für großformatige Ansichten verwendet, wie man sie z. B. in Hamburg bei V. Ruths und den Gebrüdern Suhr findet. Letztere gaben Mitte des 19. Jhs. auch schöne weithin bekannte Sammlungen von zeitgenössischen und historischen Hamburgansichten heraus (P. Suhr, Hamburgs Vergangenheit in bildlichen Darstellungen, 1838). - Im 19 Jh. ersetzte der Stahlstich den Kupferstich, so das die Illustrationen für Ansichten- und Reisewerke (Meyers Universum, Paynes Universum u. a.) in höheren Auflagen hergestellt werden konnten und eine große Verbreitung erfuhren, jedoch an künstlerischem Wert verloren. – Die wichtigste Bibliographie im Bereich Alte Stadtansichten wurde von A. Fauser (Repertorium älterer Topographie. Druckgraphik von 1486 bis 1750. Wiesbaden 1978) veröffentlicht.



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