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Surrealismus

Der Surrealismus, dessen Bezeichnung auf den Dichter Guillaume Apollinaire zurückgeht (1917), entstand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss der neuen Erkenntnisse der Psychoanalyse. Die Einsichten um den Begriff des Unbewussten inspirierten die Künstler des Surrealismus, dieses Unbewusste als eigentliche Wirklichkeit in ihren Bildern zu visualisieren. Traum und Realität sollten im Surrealismus miteinander verschmelzen - tatsächlich bedeutet das Wort "surréalisme" (frz. "sur" = über) wörtlich das noch über den Realismus Hinausgehende oder sich jenseits der Wirklichkeit Befindliche.
Zu einer geschlossenen Bewegung wurde der Surrealismus ab 1921 in Paris unter der Führung des französischen Schriftstellers und Kritikers André Breton (1896-1966). 1924 erschien dessen programmatisches "Manifeste du Surréalisme". Der Surrealismus, zunächst weniger ein Stil als eine geistig-politische Haltung, forderte als "psychischer Automatismus" die Aufhebung der Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit, Wahn und Vernunft, Subjektivem und Objektivem. Aufbauen konnte er auf Magischem Realismus, Symbolismus, Pittura Metafisica und Dadaismus.
Themen der surrealistischen Werke waren die Bildwelten aus Traum, Rausch und Hypnose, die zu phantastischen Bilderfindungen führten. Stilistisch wurden im Veristischen Surrealismus die Objekte in überdeutlicher Malweise und oft grotesk verzerrt wiedergegeben, die Farben erscheinen meist kühl und klar, Gegenstände werden aus ihren Ursprungszusammenhängen isoliert und in neuartige Beziehungen gestellt, so dass Traum und Realität zu verschwimmen scheinen. Neben diesem krassen Detailrealismus steht der auf dem Automatismus aufbauende Absolute Surrealismus als eher spontane und ungegenständliche, das Unbewusste widerspiegelnde Stilvariante.
Bedeutendes leistete der Surrealismus auf dem Feld der Erweiterung des Kunstbegriffes: Collage, Frottage und andere neue Techniken und Bildformen wurden eingeführt, neue Materialien fanden Verwendung, Film und Fotografie spielten eine bedeutende Rolle. Die Technik des "Automatismus" ("écriture automatique" und "dessin automatique" = automatisches Schreiben und automatisches Zeichnen) wurde zum Stichwortgeber der gestischen Nachkriegsabstraktion.
Zu den bedeutenden Künstlern des internationalen Surrealismus rechnen Hans Arp, Leonora Carrington, Salvador Dalí, Paul Delvaux, Oscar Dominguez, Marcel Duchamp, Edgar Ende, Max Ernst, Alberto Giacometti, Frida Kahlo, René Magritte, André Masson, Robert Matta, Joan Miró, Richard Oelze, Meret Oppenheim, Wolfgang Paalen, Pierre Roy, Kay Sage, Yves Tanguy und Mac Zimmermann.