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Lexikon
Symbolismus im deutschsprachigen Raum

Das Aufkommen des Symbolismus ab Mitte des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum ist vom Bewusstsein der Krise aller traditionellen Werte, der Religion, der Wissenschaft und damit der Welterklärung geprägt. Darwins Evolutionstheorie, die Säkularisierung und nicht zuletzt die Industrialisierung bewirkten grundlegende Veränderungen in jedem Lebensbereich. Der Wunsch nach einer neuen Weltanschauung machte sich breit. Dieser Wandel fand zwar in anderen Teilen Europas auch statt, traf aber den deutschsprachigen Raum mit besonderer Schärfe, denn die Industrialisierung trat hier später, dafür aber umso schneller und härter ein. In diesem Zusammenhang stellt der Symbolismus einen Versuch dar, die Welt "wiederzuverzaubern".
Charakteristisch für den deutschsprachigen Raum ist auch ein reger künstlerischer Austausch durch viele wichtige Ausstellungen, wie zum Beispiel die Edvard Munch-Schau in Berlin 1892. Diese Tendenz kulminierte in der Gründung der verschiedenen Sezessionen in München (1892), Wien (1897) und Berlin (1899), wobei in Deutschland und Österreich Symbolismus, Jugendstil und Sezessionskunst nicht scharf voneinander getrennt werden können. Der stete Ideenaustausch zwischen den unterschiedlichen Kunstzentren ermöglichte zudem, dass ein und derselbe Künstler sowohl im katholischen Bayern als auch im protestantischen Preußen wirken konnte, denn es gab in Deutschland keine strikte religiöse Trennung wie in Belgien und den Niederlanden.
Die Reisen der Künstler beschränkten sich nicht nur auf die wichtigsten Kunstmetropolen, sondern umfassten auch "Sehnsuchtsziele", die meistens in Italien zu finden waren. So gingen etwa der in Berlin ausgebildete Hans von Marées (1837-87) und der Leipziger Max Klinger (1857-1920) nach Italien, wo sie Arnold Böcklin (1827-1901) trafen.
Feste Bezugsgrößen der Kunst Böcklins sind Italien, das Licht des Südens und die antike Mythologie. Die Stimmung in seinen Werken ist unverkennbar, wobei sie sich durch eine magische Atmosphäre von Ruhe und Zeitlosigkeit, die an einen Traum erinnert und von mythologischen Figuren bewohnt ist, auszeichnet. So hatte Böcklin "Die Toteninsel" für ein Mädchen gemalt, das sich ausdrücklich ein Bild zum Träumen gewünscht hatte.
Max Klinger bewunderte die Kunst Böcklins, entwickelte aber einen sehr persönlichen, durch Goya stark beeinflussten Stil. Er verarbeitete auch viele Anregungen aus Literatur und Philosophie und schuf sehr komplexe Werke mit einem scharfen Sinn für die Probleme seiner Zeit. Existentielle Fragen des Lebens und des Todes, Sozialkritik und politische Satire sind in seinem Werk wichtige Konstanten.
Ganz anders wirkt die Kunst von Franz von Stuck (1863-1928), einem der Münchner "Künstlerfürsten", der unter dem Einfluss Böcklins stand. Repräsentative Porträts und Allegorien mit fantastischen Fabelwesen sowie sensuelle weibliche Akte bilden seine bevorzugten Themen.
In der Schweiz ist der in Bern geborene Ferdinand Hodler der wichtigste Exponent des Symbolismus. Seine Landschaften und Allegorien richten sich nach dem Prinzip des Parallelismus, wobei bestimmte Elemente in ähnlicher Form mehrmals wiederholt werden. Damit wollte Ferdinand Hodler seine Auffassung von der Einheit der Natur zum Ausdruck bringen. Seine Werke übten einen mächtigen Einfluss auf die zeitgenössische und auch, in abgeschwächter Form, auf die spätere österreichische Kunst aus. So finden sich ähnlich konzipierte Allegorien in der Kunst der Wiener Secession um Gustav Klimt und sogar im Werk des österreichischen Expressionisten Egon Schiele wieder.


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