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Lexikon
Synthetismus

Die Kunsttheorie, die Émile Bernard und Paul Gauguin gemeinsam im bretonischen Pont-Aven (1888-91) entwickelten und die von anderen Malern ihrer Umgebung verfolgt wurde, wird mit dem Begriff "Synthetismus" bezeichnet. Dabei vereinten die Künstler eine wenig literarische Auffassung des Symbolismus mit der Formensprache des Cloisonismus und stellten ein wichtiges Vorbild für die Nabis dar. Der erste künstlerische Auftritt von Vertretern dieser Kunstrichtung fand auf der von Gauguin 1889 organisierten Ausstellung der "Gruppe der Impressionisten und Synthetisten" im Pariser Café Volpini statt. 1891 wurde die "Groupe Synthétiste" gegründet, der außer Bernard und Gauguin auch Charles Laval, Louis Anquetin und andere angehörten.
Ziel des "Synthetismus" war die Rückkehr zu den Grundformen des ästhetischen Ausdrucks, um dadurch zum Wesentlichen zu gelangen. So glaubte Bernard, dass künstlerische Ausdruckskraft nur durch Form- und Farbvereinfachung zu erreichen sei. Gauguin seinerseits sprach häufig von "Synthese", womit er die konzentrierte Intensivierung der ursprünglichen Naturerfahrung meinte. Für ihn sollte der Künstler nach seiner Erinnerung malen, weil nur im vom Gefühl gefärbten Gedächtnis die Naturerscheinungen eine einheitliche und bedeutungsvolle Gestalt annehmen. Dementsprechend sollte die gewünschte "Synthese" eine Einheit von symbolischer Bedeutung und Wahrnehmung garantieren.
Die nach diesen Kriterien entstandenen Bilder zeichnen sich durch eine zweidimensionale und ornamentale Anordnung von vereinfachten Formen und Figuren mit betonten, schwarzen Konturen aus. In bewusster Anlehnung an die Musik experimentierten die Maler mit reinen "Klängen", ohne Modellierung und unabhängig vom Naturvorbild, um einen poetischen Inhalt zu erreichen.