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Lexikon
Transavanguardia und Arte Cifra

Die Begriffe "Transavanguardia" und "Arte Cifra", die meist synonym verwendet werden, bezeichnen die italienische Variante des Neoexpressionismus der späten 1970er und 1980er Jahre. Der Terminus Transavanguardia (zu deutsch: jenseits der Avantgarde) ist dem problematischen Begriff der "Postmoderne" verwandt und wurde von Achille Bonito Oliva geprägt, der die Bezeichnung international - wenngleich mit italienischem Schwerpunkt - verwendet hatte.
Gleichgesetzt wird die Transavanguardia zumeist mit der von Wolfgang Max Faust geprägten Bezeichnung Arte Cifra. Das italienische "cifra" (zu deutsch: Ziffer, Chiffre) nimmt dabei Bezug auf den individualisierten, wörtlich "chiffrierten" Bedeutungsgehalt dieser Kunst.
Transavanguardia und Arte Cifra lehnten sich ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre gegen die zu jener Zeit vorherrschenden Strömungen auf: Sie wandten sich gegen die Kargheit der Arte Povera ebenso wie gegen die intellektuelle Strenge von Concept Art und Minimal Art. An deren Stelle sollte eine neue Expressivität treten, die durch freie Figuration, emotionales Pathos, ironische Zitathaftigkeit und vor allem deutliche Individualisierung gekennzeichnet ist. Letztere zog auch einen stilistischen Pluralismus nach sich.
Vergleichbar sind Transavanguardia und Arte Cifra den "Neuen Wilden" in Deutschland, dem "New Image Painting" in den USA und der "Figuration Libre" in Frankreich. Im direkten Vergleich mit den deutschen Nachbarn wirkt der italienische Neoexpressionismus stärker intellektualisiert und von Bezugnahmen auf lokale Traditionen und die Antike geprägt. Deren harmonische Schönheit scheint selbst in den ungestümen, wilden Arbeiten von Transavanguardia und Arte Cifra wiederzuhallen.
Zu den Hauptvertretern von Transavanguardia und Arte Cifra rechnen Sandro Chia (geb. 1946), Francesco Clemente (geb. 1952), Enzo Cucchi (geb. 1949) und Mimmo Paladino (geb. 1948).