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Lexikon
Venezianischer Spätbarock

Venedig war im Spätbarock die führende Kunststadt Italiens, die einen grazilen, zugleich idealisierten und realistischen Stil hervorgebracht hat. Bemerkenswerte malerische und koloristische Qualitäten werden begleitet von einer gerade im Vergleich mit der neapolitanischen Schule gesteigerten Bewegtheit und Leichtigkeit.
Als früher und stichwortgebender Meister des venezianischen Spätbarock gilt der vielgereiste Sebastiano Ricci (1659-1734); der zweite große Maler jener Epoche ist mit Giambattista Piazzetta (1683-1754) zu benennen. Letzterer hatte in Bologna unter Giuseppe Maria Crespi gelernt und hat ein ebenso spannungsvolles wie malerisches Oeuvre hinterlassen. Zu voller Blüte gelangte der Spätbarock Venedigs im Werk von Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770). Er griff Riccis und Piazzettas Vorgaben auf und schuf eine kontrastreiche Kunst, die erhöhende Idealisierung und Naturalismus zu vereinen suchte - exemplarisch stellen sich diese widerstreitenden Komponenten etwa im "Raub der Europa" dar. Tiepolos Malerei, die sich von einer dunklen, schweren Farbigkeit hin zu lichten und leichten Valeurs entwickelte, war nur in frühen Jahren auch dem Tafelbild verbunden. Ihr hauptsächliches Medium war die Monumentaldekoration, und in diesem Kontext entfaltete sie ihre ganze Wirkkraft. Der Stil Tiepolos verbreitete sich durch seine Reisen nicht nur innerhalb Italiens: So schuf er in Würzburg die Fresken der Residenz, das Alterswerk entstand in Madrid, wo er als Hofmaler tätig war.
Eine Sonderstellung nimmt innerhalb der venezianischen Kunst des Settecento die Vedutenmalerei ein, die sich in Venedig - Piranesi wirkte in Rom - auf die Stadtansicht konzentrierte. Canaletto (eigentlich Giovanni Antonio Canal, 1697-1768) und dessen Neffe Bernardo Bellotto, der sich ebenfalls Canaletto nannte (1721 oder 1722-80), schufen virtuose, detailgetreue Wiedergaben ihrer Heimatstadt in einer klassizistisch anmutenden Klarheit des Bildaufbaus. Über deren Vorgaben hinaus ging Francesco Guardi (1712-93), der einen freien, impulsiven Duktus pflegte und mit seiner Behandlung von Licht und Farbe den Impressionismus vorweg zu nehmen scheint.
Auf dem Feld der Porträtkunst ist abschließend Rosalba Carriera (1675-1757) anzuführen, die mit lebendigen und anmutigen Bildnissen in Pastell reüssierte.