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Veristischer Surrealismus

Der Surrealismus kann stilistisch in zwei Strömungen unterteilt werden, deren eine, der sogenannte Absolute Surrealismus, aus dem spontanen Automatismus erwachsen ist, während die andere, der Veristische oder auch Naturalistische Surrealismus, sich mit geradezu photographischer Genauigkeit daran macht, Traumvisionen und ähnliche Sujets künstlerisch "nachzuzeichnen".
Der Veristische Surrealismus ist es auch, der in der allgemeinen Vorstellung mit dem "Surrealistischen" schlechthin verknüpft wird und der im Kontext der surrealen Figuration nach 1945 bevorzugt wiederbelebt wurde.
Schon 1922 trat der Veristische Surrealismus (lat. verus = wahr) zum ersten Mal bei Max Ernst auf, dessen wildwuchernde, urweltlich erscheinende Landschaften das veristische Prinzip besonders ab 1940 wieder bestimmte.
Während die frühen Jahre des Surrealismus vom Automatismus beherrscht waren, kam es in den späteren 1920er Jahren, zumal André Breton im Automatismus nun die Gefahr eines bloßen Ästhetizismus sah, zu einer Rückbesinnung auf die illusionistische Schilderung. Vorbild wurde nun der junge Max Ernst, aber auch die Pittura Metafisica. Als Hauptvertreter dieses Veristischen Surrealismus gelten seit den späten 1920er Jahren Yves Tanguy, besonders aber Salvador Dalí und René Magritte.
Aufbauend auf der Pittura Metafisica, deren Vorgaben aber noch deutlich übersteigernd, setzt der Veristische Surrealismus Traumbilder und Visionen in akribischem Illusionismus auf die Leinwand. Die Bildelemente werden dabei ihrer Ursprungszusammenhänge beraubt und in neuartige, irritierende oder sogar schockierende Verbindungen gestellt. Werke des Veristischen Surrealismus zeigen somit die Parallelwelten des Unbewussten in erschreckender Deutlichkeit.
Auf der Stilvariante des Veristischen Surrealismus konnte auch die Ästhetik des surrealistischen Films aufbauen.


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