Videokunst
Die Videokunst ist eine Richtung der Medienkunst. Innerhalb der Videokunst beschäftigen sich Künstler seit den 1960er Jahren mit den Möglichkeiten, die ihnen die Entwicklung der Videotechnik und damit einhergehend die mediale Speicherung von Geschehnissen erschließt. Darüber hinaus wurden die Aufzeichnung, die Bearbeitung und die Wiedergabe von Videobändern und die daraus resultierenden ästhetischen Konsequenzen erkundet.
Grundsätzlich lassen sich zwei Herangehensweisen unterscheiden: Einerseits beschäftigten sich Künstler mit bereits vorhandenem Videomaterial, das sie verfremdeten, um daraus Kunstwerke zu erschaffen. Andererseits zeichneten die Künstler selbst gewählte oder auch selbst inszenierte und vorgeführte Handlungen oder Ereignisse auf. Dabei geht es nicht nur um die Qualität des Filmmaterials an sich, sondern auch um die Vorführung desselben. Vor diesem Hintergrund wird ersichtlich, dass zur Videokunst nicht nur das Videoband ("Tape"), sondern in der Regel auch die Inszenierung eines Bildschirms oder gleich mehrerer Monitore oder Leinwände notwendig sind. Hier gelangten die Künstler zu unterschiedlichen Lösungen, die vom einfachen Abspielen des Tapes auf einem freistehenden Monitor (Ulrike Rosenbach, "Glauben sie nicht, dass ich eine Amazone bin", 1975) über den Einbau von mehreren Bildschirmen in eigens dafür angefertigte Objekte oder Behältnisse (Nam June Paik, "TV-Buddha", 1974 oder Shigeko Kubota, "Akt, eine Treppe hinabsteigend", 1975/1976) bis hin zu raumfüllenden Videoinstallationen reichen (Bruce Nauman, "Clown Torture", 1987 oder Pipilotti Rist, "Ever Is Over All", 1997). Im letztgenannten Umkreis sind auch die sogenannten Closed-Circuit-Installationen anzusiedeln, bei denen die Videoaufnahmen innerhalb der Kunstinstallation hergestellt und unmittelbar auf deren Monitore übertragen werden, so dass der Betrachter als Teil des Kunstwerkes notwendigerweise mit einbezogen wird. Nicht selten werden Videoprojektionen in Objektinstallationen integriert und damit die Grenzen des Skulpturalen aufgebrochen, wie es beispielsweise die auf Puppenköpfe projizierten Gesichter, die sich durch Tony Ourslers Oeuvre ziehen, veranschaulichen. Zur Videokunst zählen ferner Arbeiten, die sich sowohl in ihrer Länge als auch im Hinblick auf die vor der Kamera inszenierte Handlung dem Spielfilm annähern, wie es beispielsweise Matthew Barneys Zyklus "Cremaster 1-5" (1994-2002) oder Werke von Douglas Gordon und Steve McQueen zeigen.

