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Vorzugsausgabe

Vorzugsausgaben oder Liebhaberausgaben, die nur für einen ausgewählten Personenkreis in kleiner, meist nummerierter Auflage hergestellt werden, sind insbesondere bei bibliophilen Druckwerken üblich. Diese Vorzugsexemplare zeichnen sich gegenüber der allgemeinen Auflage durch eine besondere Ausstattung aus, zu der sowohl die Verwendung besseren Papiers, die Beigabe von hochwertigen (z.B. kolorierten) Illustrationen oder sogar Originalgraphiken als auch die kostbare Gestaltung der Einbände zählen. In vielen Fällen sind die Besonderheiten der Ausstattung im Impressum vermerkt. Bereits im 15. und 16. Jahrhundert werden Vorzugsausgaben, die auf Pergament oder bestem Papier mit breitem Rand gedruckt werden, vom Autor als Widmungsexemplare versandt. Besonders großes Papier, Duftstoffe zur Parfümierung, farbig gedruckte oder handkolorierte Illustrationen und die Signatur des Autors gehören häufig zur auserlesenen Ausstattung der Fürstenexemplare. Eine erste Blütezeit erleben die Vorzugsausgaben oder Liebhaberausgaben im 18. Jahrhundert als sie, oft in individuellen, mit Supralibros geschmückten Handeinbänden, in jede bibliophile Sammlung gehören. Davon zu unterscheiden sind die sogenannten Prachtausgaben des Historismus, meist großformatige industrielle Druckerzeugnisse in Verlagseinbänden. Bei den in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich entstehenden "Livres de luxe" wird die gesamte Gestaltung des Buches (Format, Papier, Typographie, Einband etc.) dem Primat des Künstlerischen unterworfen. Durch die drastische Reduzierung der Auflagen, die Rückkehr zur Originalgraphik und die Signierung durch Autor und Künstler werden diese Vorzugsausgaben erneut zum begehrten Sammelobjekt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts liefern Privatpressen in England und Deutschland in Form der Pressendrucke mustergültige Vorzugsausgaben und ebnen so den Weg für die Malerbücher des 20. Jahrhunderts.