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Wiener Werkstätte

1903 gründeten zwei führende Künstler der Secession, Josef Hoffmann (1870-1956) und Koloman Moser (1868-1918), die Wiener Werkstätte mit Unterstützung des Industriellen Fritz Waerndorfer. Angeregt wurde das Projekt durch das englische und schottische "Arts and Crafts Movement", dessen Werke auf Ausstellungen der Wiener Secession mit einem enormen Erfolg gezeigt wurden. Ziel der Wiener Werkstätte war in erster Linie die Aufwertung des Kunsthandwerks, das nunmehr auf der gleichen Ebene wie die Malerei und die Bildhauerei stehen sollte. Darüber hinaus strebten die Mitglieder der Wiener Werkstätte wie ihre britischen Kollegen nach dem Ideal des Gesamtkunstwerks, das heißt nach der einheitlichen Gestaltung des Baukörpers und der Innenausstattung, die im Sanatorium Purkersdorf, in der Kirche am Steinhof und im Palais Stoclet verwirklicht wurde.
Es wurden Werkstätten für Metall-, Lack-, Buchbinder- und Lederarbeiten sowie eine Tischlerei und etwas später eine Textil- und Modeabteilung eingerichtet. Vorbilder der Künstler waren die Werke des "Arts and Crafts Movement", aber auch in starkem Maße die japanische Kunst sowie das österreichische "Empire" und "Biedermeier". Die wichtigsten Anregungen empfingen die Mitglieder der Wiener Werkstätte allerdings von der Formensprache der "Glasgow School" und von deren Vorliebe für das Rechteckige. So wurde das Quadrat zur elementaren Grundform jedes dekorativen Musters. Fast programmatisch fand dieses Prinzip in der Gestaltung des Markenzeichens der Wiener Werkstätte Anwendung: Eine aus drei Quadraten bestehende Rose, eingerahmt von sechs konzentrischen Rechtecken. Der Strenge und der Einfachheit dieser Formen entsprechend zog Josef Hoffmann die Verwendung von Schwarz-Weiß vor.
Der sachliche Stil der ersten Jahre wurde ab 1907 langsam durch andere, mehr zum Verspielten neigende Tendenzen abgelöst. Wichtigster Vertreter des neuen Stils war Dagobert Peche (1887-1923), der 1915 der Wiener Werkstätte beitrat und während des Ersten Weltkrieges die Zürcher Verkaufsstelle leitete. Der Krise der Nachkriegszeit folgten 1932 der Bankrott und die endgültige Auflösung der Wiener Werkstätte.
Die Wiener Werkstätte beschäftige viele Künstler der Wiener Secession wie etwa Gustav Klimt und die jungen Expressionisten Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Ihre Aufwertung der dekorativen Kunst fand aber auch Gegner, vor allem im Kreis um den Architekten Adolf Loos (1870-1933), der seine Grundsätze unter dem berühmten Motto "Ornament als Verbrechen" zusammenfasste.