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Lexikon
Zwischen Figuration und Abstraktion: Die Nachkriegsavantgarden

Die abstrakte Kunst, die von der Vereinfachung und Reduktion figurativer Sujets grundlegende Impulse erhalten hatte, löst sich einzig in der Gegenstandslosigkeit geometrischer Formgefüge vollständig von der außerbildlichen Wirklichkeit. In ihren biomorphen und gestisch-impulsiven Varianten bleibt die Realität dagegen oft als Nach- oder Beiklang hörbar.
Aufbauend auf der frühen geistig-psychischen und biomorphen Abstraktion sind auch die Abstraktionstendenzen nach 1945 oft von einem Oszillieren zwischen Gegenständlichem und Abstraktem gekennzeichnet. Das Spiel mit subjektiven Assoziationen, (scheinbarer) Wiedererkennbarkeit von Figürlichem und extremen Formverfremdungen ist eine bedeutende und wegweisende Stiltendenz der Nachkriegsavantgarden, die auch in der zeitgenössischen Kunst wiederbelebt wird. Exemplarisch ist ein assoziativ-gegenstandsnahes Verfahren der Abstraktion innerhalb des Informel ausgebildet, wohingegen die biomorphe Abstraktion die genuinen Wirklichkeitsbezüge der Bildsprache erahnbar werden lässt. Bernard Schultze, Willy Meyer-Osburg, Anton Heyboer oder Paul Eliasberg rechnen zu den bedeutenden Vertretern einer Kunst zwischen Figuration und Abstraktion nach 1945.