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Lexikon
Zwischen Figuration und Abstraktion: Die Zeitgenossen

Die abstrakte Kunst, die von der Vereinfachung und Reduktion figurativer Sujets grundlegende Impulse erhalten hatte, löst sich einzig in der Gegenstandslosigkeit geometrischer Formgefüge vollständig von der außerbildlichen Wirklichkeit. In ihren biomorphen und gestisch-impulsiven Varianten bleibt die Realität dagegen oft als Nach- oder Beiklang hörbar.
Eine herausragende und künstlerisch reflektierte Rolle spielt die Oszillation zwischen Figuration und Abstraktion in der Kunstentwicklung der 1990er Jahre und der Gegenwart. Subtile Spannung erzeugen etwa die Werke von Thomas Kleemann (geb. 1954), dessen materialreich in den Raum drängende Gemälde ungeahnte Assoziationen freisetzen und reichen Imaginationen das Stichwort geben. Auch der Österreicher Herbert Brandl (geb. 1959) führt den Betrachter in neuartige Bildwelten zwischen Figuration und Abstraktion. Ähnlich changieren die Realitätsebenen zwischen Gegenstand und Gegenstandslosigkeit bei Künstlern wie Alexander Camaro (1901-1992) oder bei der Lettin Vija Celmins (geb. 1939), die durch Ausschnitt- und Motivwahl einen eigentlich fotorealistischen Zugriff (etwa auf die gekräuselte Oberfläche des Meeres) abstrahierend verwandelt.