Auktion: 387 / Post War/ Zeitgenössische Kunst am 10.12.2011 in München Lot 336

Jonathan Meese - Mutter (gestürzt) mit roter Brille und rötlicher Perlenkette


336
Jonathan Meese
Mutter (gestürzt) mit roter Brille und rötlicher Perlenkette, 2004.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 8.000
Ergebnis:
€ 21.250

(inkl. Käuferaufgeld)
Öl auf Leinwand.
Unten rechts monogrammiert und datiert sowie an der Oberkante betitelt und nochmals datiert. Verso mehrfach signiert, zweifach datiert sowie betitelt. 80 x 60 cm (31,4 x 23,6 in).

PROVENIENZ: Contemporary Fine Arts, Berlin (auf dem Keilrahmen bezeichnet "MEE/M 739", dort und auf der Rahmenrückseite mit dem Galeriestempel sowie auf der Rahmenrückseite mit dem Galerieetikett).
Leo Koenig, New York (auf der Rahmenrückseite mit dem Galerieetikett).

AUSSTELLUNG: The Figure and Dr Freud, Haunch of Venison New York, 7.-22.8.2009 (auf der Rahmenrückseite mit dem Galerieetikett).

Jonathan Meese wird am 23. Januar 1970 als Sohn deutsch-walisischer Eltern in Tokio geboren. Er wächst im holsteinischen Ahrensburg bei Hamburg auf und studiert von 1993 bis 1998 an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Franz Erhardt Walther. Meese bricht das Studium ohne Abschluss ab und erhält bereits 1997/98 einen Vertrag bei der renommierten Berliner Galerie Contemporary Fine Arts. Innerhalb von nur wenigen Jahren entsteht, begleitet von einer regen Ausstellungstätigkeit und großer medialer Präsenz, ein vielschichtiges Gesamtwerk, das sich aller verfügbaren Medien und Materialien bedient. Aus mit großem Sammeleifer zusammengetragenen "Meese-Kojen", begleitet von Performances und Lesungen, entwickeln sich komplexe, raumgreifende, multimediale Installationen. Fiktive Filmhelden, negativ oder tragisch besetzte historische Figuren und Sagengestalten stellen hier das Personal, begleitet von Selbstporträts in unterschiedlichen Posen und Masken sowie handschriftlich hinzugefügten kryptischen Wortschöpfungen. Seit der Jahrtausendwende steigern sich die Installationen noch einmal zu begehbaren Environments und Raumkulissen, in die nun auch Bronzeplastiken im Art-brut-Stil und neo-expressionistische Malereien Eingang finden.

Ähnlich wie in dem ebenfalls in unserer Auktion angebotenen Gemälde "Die Zaubermaus Die Totalvitalitätin (Voodooisi)" spielen in der hier vorliegenden Arbeit der Künstler und seine Biografie eine zentrale Rolle. Auf einer übergeordneten Ebene blickt uns zunächst die Mutter des Künstlers mit ihrer dominant sich in den Vordergrund drängenden roten Brille und ihrer eleganten, rötlich schimmernden Perlenkette an. Dass es sich bei der Dargestellten unzweifelhaft um Meeses Mutter handelt, bezeugt die ins Auge springende Inschrift an der oberen Bildkante. Blickt man hingegen auf die Rückseite des Bildes, dann rückt sich Meese scheinbar zunächst selbst in den Vordergrund, ist es doch das Antlitz des Künstlers, das wir auf den zu einer Collage zusammengeklebten Fotos erkennen. Trotz dieser Präsenz steht auch hier dennoch die Mutter wieder im Mittelpunkt, denn das zentrale Bildfeld trägt den Titel und verweist damit noch einmal auf das Bildsujet. All diese Beobachtungen machen die Arbeit zu einer psychoanalytischen Erkundung, die es uns erlaubt, tief in die Abgründe der Seele Jonathan Meeses zu blicken.

Jonathan Meeses künstlerische Schaffen der vergangenen Jahre ist geprägt von einer Vielzahl von Aktivitäten, zu denen Gemeinschaftsarbeiten mit Künstlern wie Albert Oehlen und Daniel Richter, Künstlerbücher, Pamphlete, Illustrationen und Bühnenbilder zählen. Meeses Werke wurden bereits in unzähligen Einzelausstellungen präsentiert und sind in renommierten öffentlichen Sammlungen vertreten. Der Künstler lebt und arbeitet in Ahrensburg und Berlin. [KP].




336
Jonathan Meese
Mutter (gestürzt) mit roter Brille und rötlicher Perlenkette, 2004.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 8.000
Ergebnis:
€ 21.250

(inkl. Käuferaufgeld)