Auktion: 420 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 06.12.2014 in München Lot 845


845
Adolf Luther
Hohlspiegelobjekt, 1977.
Objekt
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 90.000

(inkl. Käuferaufgeld)
Hohlspiegelobjekt. 1977.
Objekt. 40 runde Hohlspiegel über 28 quadratischen Hohlspiegeln auf Spiegelfläche montiert. In Objektkasten.
Auf der Rückabdeckung signiert und datiert. Objektkasten: 150 x 94,5 x 11 cm (59 x 37,2 x 4,3 in). [SM].

PROVENIENZ: Privatsammlung (seit 1999).

AUSSTELLUNG: Mönchehaus Museum für Moderne Kunst, Goslar.

Adolf Luther ist in seinem künstlerischen Bestreben, das Unsichtbare sichtbar zu machen und eine Wirklichkeit zu begreifen, die sich der bildnerisch abbildenden Darstellung entzieht, ein Hauptvertreter der kinetischen Kunst und Optical Art. 1938 nimmt Luther in Köln ein Jurastudium auf, das er 1943 an der Universität Bonn mit der Promotion abschließt. Sein Studium muss er mehrmals unterbrechen, da er zum Kriegsdienst einberufen wird. Ab 1942 beschäftigt sich Luther in seiner Dienstfreizeit mit der Malerei und mit der ersten Beobachtung des Lichtes als eigenständige Realität. Nach der Rückkehr aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft wird er Referendar am Oberlandesgericht Düsseldorf, beteiligt sich jedoch zugleich an Ausstellungen in Krefeld, Düsseldorf und Hamburg. In den folgenden zehn Jahren von 1947-57 experimentiert Luther mit unterschiedlichen Malstilen, er bewegt sich vom perspektivischen Abbild zur reinen Farbflächen-Malerei, um seine eigenen Erfahrungen für einen künstlerischen Neubeginn zu sammeln. 1957 gibt Luther, der inzwischen als Richter tätig ist, den Juristenberuf endgültig auf, um sich ganz der Kunst zu widmen. In den gespachtelten Oberflächen seiner "Dynamischen Formen" entdeckt Luther das Licht als unmittelbaren Gestaltungsfaktor im Raum. 1959-61 entwickelt er die "Licht + Materie"-Arbeiten weiter und erprobt neue Materialien. Seine Werke kann er 1960 in den ersten Einzelausstellungen im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld und in der Drian-Gallery in London präsentieren. Für Luther wird das Glas die wichtigste Materie, um Energie in Form von Licht bildhaft darzustellen. In den 1960er Jahren entstehen Lichtschleusen, Arbeiten mit "optischen Medien", Arbeiten mit Hohlspiegeln und erste "Sphärische Objekte".

Alle "Hohlspiegelobjekte", die von Luther selbst so bezeichnet wurden, zeichnen sich durch eine strenge serielle Anordnung identischer Elemente aus. Luthers Objekte sind allein dazu bestimmt, Instrumente einer neuen Lichtwahrnehmung zu sein. Sie wirken mehrdimensional, indem die Spiegel einerseits den umgebenden Raum reflektieren und ihn im Gegenzug zugleich optisch dynamisieren. Nicht selten spielt die sensorische Irritation eine entscheidende rezeptionsästhetische Rolle. Denn die Hohlspiegelobjekte vervielfältigen nicht nur ihre Umgebung, verdrehen und verzerren die Perspektive, sondern vermitteln auch durch den Standortwechsel des Betrachters eine komplexe optische Erfahrung, die außergewöhnliche Wahrnehmungsmomente schenkt.

Seit 1970 arbeitet er auch mit Laserstrahlen. Schon zu seinen Lebzeiten erhält Luther zahlreiche Würdigungen. 1979 wird ihm durch das Land Nordrhein-Westfalen der Professorentitel verliehen, 1982 erhält er die Thorn-Prikker-Medaille in Krefeld, 1987 findet aus Anlass des 75. Geburtstages in Bremen eine Retrospektive statt und 1989 wird er mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Im gleichen Jahr gründet er die Adolf-Luther-Stiftung in Krefeld. 1990 verstirbt der Künstler. Im Umgang mit Spiegeln, Hohlspiegeln, Glas und Linsen entwickelt Luther eine Vielfalt von Ideen, die in seinem faszinierenden Œuvre zu bewundern ist.




845
Adolf Luther
Hohlspiegelobjekt, 1977.
Objekt
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 90.000

(inkl. Käuferaufgeld)