Auktion: 468 / Klassische Moderne I am 09.06.2018 in München Lot 720


720
Lovis Corinth
Luzerner See am Vormittag, 1924.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 300.000
Ergebnis:
€ 375.000

(inkl. Käuferaufgeld)
Luzerner See am Vormittag. 1924.
Öl auf Leinwand.
Berend-Corinth 950. Links unten signiert und datiert. 62,5 x 75,8 cm (24,6 x 29,8 in).

Eine von nur zwei Ansichten des Luzerner Sees, die Corinth 1924 geschaffen hat. Das zweite Gemälde "Luzerner See am Nachmittag" befindet sich heute in der Sammlung der Hamburger Kunsthalle.

PROVENIENZ: Charlotte Behrend-Corinth (1925).
München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen (1925-1937, von der Vorgenannten erworben).
Staatsbesitz (1937-1941).
Luzern, Galerie Fischer, Gemälde und Plastiken moderner Meister aus deutschen Museen, Auktion am 30. Juni 1939, Los 22 (Angebot).
Hildebrand Gurlitt, Hamburg (1941 durch Tausch erworben).
Sammlung Walter Franz, Köln.
Kunsthaus Lempertz, Köln, Sammlung Walter Franz, 2. und 4. Juni 1984, Auktion 600, Los 223 (aus der Sammlung des Vorgenannten).
Privatsammlung Deutschland.
Galerie Thomas, München (auf dem Rahmen mit dem Etikett).
Ehemalige Privatsammlung Rudolf Leopold, Wien.

AUSSTELLUNG: Lovis Corinth. Gedächtnis-Ausstellung, Galerie Caspari, München, Oktober - November 1925, Kat. Nr. 24.
Internationale Kunstausstellung, Kunsthaus Zürich, Mai - Juni 1925, Nr. 82.
Nationalgalerie, Berlin, 1926.
Lovis Corinth, Kunsthalle Basel, 1936, Nr. 76.
Deutsche Impressionisten. Liebermann - Corinth - Slevogt, Museum Allerheiligen, Schaffhausen, 1955, Kat. Nr. 99, mit Abb.
Deutsche Malerei, Volkswagenwerk, Wolfsburg, April - Mai 1956, Nr. 34
Lovis Corinth, zum 100. Geburtstag. Nationalgalerie Berlin, Schloss Charlottenburg, Januar- März 1958.
Lovis Corinth. Gedächtnisausstellung zur Feier des 100. Geburtstages, Mai - Juni 1958.
Lovis Corinth. Gedächtnisausstellung, Kunsthalle Basel, September - Oktober 1958., Nr. 126.
Lovis Corinth, Gedächtnisausstellung, Kunstverein Hannover, Oktober - November 1958, Nr. 111.
Lovis Corinth, Gedächtnisausstellung. Gemälde: Städtische Galerie; Druckgraphik: Staatliche Graphische Sammlung; Graphische Selbstbildnisse: Galerie Gurlitt, Juli - August 1958, Nr. 151.
Lovis Corinth, Tate Gallery London, Januar - Februar 1959, Nr. 64
Lovis Corinth, Tate Gallery London, 20. Februar - 4. Mai 1997, Kat. Nr. 171 (verso mit dem Etikett).

LITERATUR: www.geschkult.fu-berlin.de/e/db_entart_kunst/datenbank (Nr. 15477).
"Ich sah später zwei [..] Bilder vom See in Luzern, die so frisch und stark und klar und froh waren, wie nur je ein Bild von Corinth."
Cuno Amiet, 1960, zit. nach: L. Corinth. Eine Dokumentation, Tübingen 1979, S. 316

Nur zwei Ansichten des Luzerner Sees hat Lovis Corinth während seines gemeinsamen Aufenthaltes mit der Familie in der Schweiz im Sommer 1924 gemalt: die vorliegende flirrende Morgenstimmung und das Gemälde "Luzerner See am Nachmittag", das sich heute in der Sammlung der Hamburger Kunsthalle befindet. Der schweizer Maler Cuno Amiet hat 1960 rückblickend, in einem Brief an Corinths Sohn Thomas, zum damaligen Besuch Corinths in seinem Atelier und dem Entstehungskontext dieser bedeutenden Arbeiten folgendes festgehalten: "[..] Als ich den Vorschlag machte, unsere lieben Gäste möchten bis zum nächsten Tag dableiben, da wehrte Corinth energisch ab und wollte denselben Abend noch nach Luzern fahren, um dort eine längst geplante Landschaft zu malen. Ich sah später zwei Landschaften, d.h. Bilder vom See in Luzern, die so frisch und stark und klar und froh waren, wie nur je ein Bild von Corinth." (zit. nach: L. Corinth. Eine Dokumentation, Tübingen 1979, S. 316.). Im Gegensatz zu Corinths Walchensee-Landschaften, die zwischen 1919 und 1924 während der Sommeraufenthalte des Künstlers in seinem 1919 gebauten Haus in Urfeld zahlreich entstanden sind, erscheinen die beiden Ansichten des Luzerner Sees geradezu in das Blau des Sees, des Himmels und der Berge getaucht. Das Grün der umgebenden Landschaft wird aus der Darstellung gedrängt, die allein durch Blau-, Weiß- und Rottöne in energisch-luftigem Farbauftrag beherrscht wird. Diese breiten vor dem Betrachterauge eine beeindruckende Landschaftsszenerie von gleißender Lichtwirkung aus, eine frühe, den Sonnenaufgang erwartende, menschenleere Morgenstimmung. Ein Jahr nach Entstehung der vorliegenden Arbeit stirbt Lovis Corinth, der langjährige Präsident der Berliner Sezession, während einer Reise in die Niederlande an den Folgen einer Lungenentzündung und wird in Stahnsdorf bei Berlin auf dem Waldfriedhof beigesetzt. Lovis Corinth gilt heute als "Klassiker der Moderne", seine Werke sind Teil zahlreicher bedeutender öffentlicher Sammlungen, wie den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München, der Staatsgalerie Stuttgart, dem Kunstmuseum Basel und der Nationalgalerie Berlin. [JS]



720
Lovis Corinth
Luzerner See am Vormittag, 1924.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 300.000
Ergebnis:
€ 375.000

(inkl. Käuferaufgeld)