Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 127


127
Georg Baselitz
Ohne Titel, 1964.
Mischtechnik. Aquarell, Farbkreide und Tuschfeder
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 275.000

(inkl. Käuferaufgeld)
Ohne Titel. 1964.
Mischtechnik. Aquarell, Farbkreide und Tuschfeder.
Rechts oben signiert und datiert sowie rechts unten monogrammiert. Auf Maschinenbütten von Hahnenmühle (mit dem Wasserzeichen). 48 x 62,5 cm (18,8 x 24,6 in).

• Dichtes, gemäldehaft voll ausgearbeitetes Blatt.
• In Baselitz’ künstlerisch wertvollster Zeit, den 1960er Jahren, entstanden.
• Außergewöhnlich farbiges Blatt.
• Aus einer bedeutenden süddeutschen Privatsammlung
.

Wir danken dem Atelier Baselitz für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Privatsammlung München.
Privatsammlung Süddeutschland.

Georg Baselitz setzt sich in seinem gesamten Œuvre intensiv mit verschiedenen Meisterwerken der Kunstgeschichte auseinander. Dabei findet er immer wieder zu neuen stilistischen Lösungen. Der wiederkehrende stilistische Bruch verweist auf das moderne Unbehagen und die Skepsis gegenüber dem Bild als reinem Abbild. Georg Baselitz’ Arbeiten der frühen 1960er Jahren spiegeln die Gedanken des „Pandämonischen Manifests“ von 1961 wider. Sie sind als Auflehnung gegen die von Konventionen geprägte Gesellschaft der Nachkriegszeit zu sehen. In seinen bildnerischen Werken adaptiert er traditionelle, von der konservativen Kunstgeschichte anerkannte Vorbilder, um sie selektiv in seiner eigenen Bildsprache umzuformen und in seine eigene Thematik einzuarbeiten. Sie erschließen sich uns nicht unbedingt von alleine, sondern fordern eine assoziative und kritische Betrachtungsweise ein. In der vorliegenden Arbeit ist die starke expressive Prägung zu spüren. In einer gelblich-rot gehaltenen Farbpalette, die nur bei wenigen seiner Arbeiten dieser Zeit zu finden ist, breitet er eine weite Landschaft aus, in die eine figurale Gruppe im Vordergrund gleichsam hineingelegt ist. Hier wird deutlich, dass Georg Baselitz nicht eine Realität abbildet, sondern seine eigene malerische Wirklichkeit entfaltet. Die Anregungen findet er wie schon erwähnt in der Kunstgeschichte, doch auch in „trivialen“ Quellen, wie z. B. den Grünen Heften des Sächsischen Heimatschutzes. Der Künstler sagt: „Die sind eine Art von Motivbücher für mich geworden, nicht nur für die Landschaften, sondern auch für die Steine und Kreuze. Es sind sogenannte Sühnekreuze. Sie stehen in der Landschaft ..Die stehen irgendwo in der Feldmark, meistens eines, manchmal zwei, manchmal in Gruppen zu dritt….In den Grünen Heften wurden ihre Bilder gesammelt und die Standorte angegeben. Davon habe ich Zeichnungen gemacht. Es war ein wichtiges Motiv für mich. Da steckt ein Geheimnis dahinter.“ (G. Baselitz 5.12.1976, in: Ausst.-Kat. Kunstmuseum Basel 1984, S. 139 u. Anm. 15). Diese Kreuz-Motive sind einerseits nahe, da sie die verlassene Heimat betreffen, und andererseits nicht mehr den Künstler selbst betreffend, da der direkte Bezug verloren ist. Auch in dem in der Staatlichen Graphischen Sammlung, München, befindlichen Werk „Sächsische Landschaft“ von 1962/63 verortet Baselitz das Bildmotiv vor Kreuzen. Wie aus einem Teig von Farbe geknetete Figuren sind in den Bildern der frühen 1960er Jahre in die nur vage angedeutete Landschaft gesetzt; die reiche Farbbehandlung sublimiert das für uns schwer Bestimmbare der ikonografischen Elemente. Die Aussage unseres Blattes, das während seines Aufenthalts im Frühjahr 1964 im Schloss Wolfsburg entstanden ist, reicht tief in das Empfinden des Künstlers hinein. Solche Arbeiten des Frühwerks von Georg Baselitz sind auf dem internationalen Kunstmarkt nur selten anzutreffen. [EH]



127
Georg Baselitz
Ohne Titel, 1964.
Mischtechnik. Aquarell, Farbkreide und Tuschfeder
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 275.000

(inkl. Käuferaufgeld)