Auktion: 500 / Evening Sale am 17.07.2020 in München Lot 223


223
Adolf Luther
Ohne Titel, 1970.
64 konvexe Spiegelquadrate auf aluminiumlaminie...
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 68.750

(inkl. Käuferaufgeld)
Ohne Titel. 1970.
64 konvexe Spiegelquadrate auf aluminiumlaminierte Holzplatte montiert. In Objektkasten.
Verso signiert und datiert sowie mit dem Stempel "Luther Licht Materie". 143 x 143 x 8 cm (56,2 x 56,2 x 3,1 in).

• Großformatige Arbeit des ZERO-Protagonisten.
• Anordnung in streng quadratischer Vergitterungsstruktur.
• Energiegeladenes Wechselspiel zwischen Raum und Licht
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Flensburg.
Privatsammlung Norddeutschland (direkt vom Vorgeannten erworben, seit ca. 1995).

"Dieses Jahrhundert ist das Jahrhundert der Energie, des Raumes, der durch Licht gefüllt ist und durch Materie artikuliert wird, indem sie im Licht aufleuchtet."
Adolf Luther, zit. nach: Heiner Stachelhaus, Luther, Stuttgart 1979, S. 34.

Eine strenge serielle Anordnung identischer Teile kennzeichnet alle Hohlspiegelobjekte Luthers. Er strebt bewusst diese Einfachheit in der Konstruktion an, denn er möchte jede Eigenästhetik ausschließen. Seine Objekte sollen allein Instrumente einer neuen Lichtwahrnehmung sein. So reflektieren die Spiegel den umgebenden Raum und dynamisieren ihn optisch. Vor allem die großen Hohlspiegelobjekte sind dazu geeignet, den Betrachter zu irritieren. Sie vervielfältigen nicht nur ihre Umgebung, verdrehen und verzerren die Perspektive, sondern vermitteln auch in der Bewegung eine komplexe optische Erfahrung. Günther Uecker beschreibt das Werk seines Kollegen wie folgt: "Luther wird zur Erfahrung einer neuen Welt, einer Welt des artikulierten Lichtes. Optische Gläser und Spiegel sind die Medien für einen neuen visuellen Prozeß auf der Strecke zwischen dem Auge des Betrachters und dem Objekt. Luther, in seinem langen Bemühen, die Stofflichkeit des Lichtes zu erfassen, hat eine freie Welt sichtbar gemacht, die an die Geschichten des Glasberges und an die Vorstellungen Scheerbarts erinnert. Bei ihm haben sie ihre Realisierung gefunden: die Wirklichkeit des Lichtes in der Welt!" (Uecker, zit. nach: Ausst.-Kat. Städtisches Museum Schloss Morsbroich, Leverkusen 1969, S. 61). Die strenge Anordnung der Spiegel steht in direktem Kontrast zur eigentlichen Intention des Künstlers, der den Betrachter auf eine völlig neue Wahrnehmung dieses Objekts hinführen möchte. Die Reflexionen, die durch unterschiedlichen Lichteinfall entstehen, eröffnen individuelle Sichtweisen und Eindrücke, die auf verschiedenste Weise interpretiert werden können. Die Spiegelung nimmt den umgebenden Raum und den betrachtenden Menschen als facettiertes "Lichtbild" in sich auf, fragmentiert und verzerrt dieses Abbild, verwandelt es bei jeder Bewegung. Das Bild wird vollkommen der Realität enthoben und steht doch mit ihr in Bezug. Licht, Raum und Wahrnehmung geraten in ein energiegeladenes Wechselspiel. Ein künstlerisch manipuliertes Abbild unserer Realität entsteht und stellt auf diese Weise unsere alltäglichen Sehgewohnheiten und Wirklichkeitswahrnehmungen in Frage. Luther, dem Meister der Lichtkunst, dessen künstlerisches Werk ab den 1960er Jahren dem Wechselverhältnis von Licht und Materie gewidmet ist, gelingt auf diese Weise die Loslösung optischer Sinneseindrücke von ihrer Bindung an die Materie. [SM]



223
Adolf Luther
Ohne Titel, 1970.
64 konvexe Spiegelquadrate auf aluminiumlaminie...
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 68.750

(inkl. Käuferaufgeld)