Auktion: 540 / Evening Sale am 09.06.2023 in München Lot 61


61
Karin Kneffel
Ohne Titel, 2001.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 114.300

(inklusive Aufgeld)
Ohne Titel. 2001.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert und datiert sowie bezeichnet "FLXX.V". 100 x 100 cm (39,3 x 39,3 in).

• Die Früchtestillleben verhelfen der Künstlerin zum Durchbruch auf dem internationalen Auktionsmarkt.
• Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Lichteffekten ist ein Hauptstilmittel ihrer Kunst.
• Überdimensional in Szene gesetzt, gibt Kneffel mit großem technischen Können die Stofflichkeit und Haptik der Trauben wieder
.

Wir danken Frau Prof. Karin Kneffel für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Galerie Bob van Orsouw, Zürich (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Privatsammlung (direkt vom Vorgenannten, seither in Familienbesitz).

"Außerdem schienen mir die Früchte geeignet, die Besonderheiten einer gemalten Darstellung gegenüber der Wirklichkeit zu verstärken. Wie zeigt sich ein Bild selbst als Bild? Fragen zu Realität und Realismus trieben mich um. Was ist mit der Schönheit?"
Karin Kneffel, zit. nach: Kunsthalle Bremen, Stiftung Frieder Burda (Hrsg.), Still, München 2019, S. 85.

Seit den 1990er Jahren gehören die Früchtestillleben zum festen Repertoir Karin Kneffels und bringen ihren künstlerischen Durchbruch. Sie zählen zu den gefragtesten Arbeiten der Künstlerin auf dem internationalen Auktionsmarkt. Als sie ihre Ausbildung unter anderem bei Gerhard Richter beginnt, ist die Kunstakademie in Düsseldorf eindeutig stark männlich geprägt. An der Akademie wird Kneffel geraten, Abstand zu halten von dem Genre der Früchtestillleben und Tierdarstellungen. Vor allem als Malerin seien diese Motive zu lieblich, zu dekorativ. Kneffel ignoriert diesen Rat und sieht dieses Vorurteil gerade als Herausforderung. Sie bringt das Früchtestillleben auf ein neues Level und gibt ihm eine Daseinsberechtigung in der zeitgenössischen Kunst – mit einem Genre, in dem bereits alles erzählt zu sein scheint. Ihre Handschrift zeichnet sich durch eine perfekte Illusion der Wirklichkeit aus. Für ihre Bildräume wählt die Künstlerin extreme Ausschnitte, ein wechselvolles Spiel von Nah- und Fernsicht sowie irritierende Spiegelungen bestimmen ihre Werke. Kneffel stellt das Obst natürlich am Baum hängend dar, doch dann befremdet der dunkelgraue Hintergrund und bricht diese überhöhte Natürlichkeit. Diesen Eindruck erreicht sie durch höchste Präzision im Arbeiten. Die Leinwand wird mehrfach grundiert und angeschliffen, damit die Farbe so angesaugt wird, wie die Künstlerin es möchte. Das Motiv wird grob mit Bleistift vorskizziert. Dann arbeitet Kneffel selbst bei großformatigen Bildern mit sehr feinen Pinseln und trägt nach und nach hauchdünn die Farbe in mehreren Schichten auf. Die Beschränkung der Darstellung auf einen kleinen Bildausschnitt und die übernatürlich große Darstellung des Motivs führt zu einer subtilen Verfremdung des in beeindruckender fotorealistischer Präzision geschilderten Sujets. Die Rispe der hellen Trauben ist ein perfektes Motiv, um das Licht-Schatten-Spiel und indirektes Licht zu studieren. Die Haptik und Materialität der Weintrauben geben der Künstlerin den Raum, verschiedene Lichtphänome zu inszenieren. Das natürliche warme Licht von einer außerhalb des Bildraumes liegenden Lichtquelle beleuchtet die Trauben indirekt und bringt die Früchte zum Strahlen. Selbst die dadurch entstehende Durchsichtigkeit einzelner Trauben und den innenliegenden Kern vermag Kneffel malerisch darzustellen. Diese Lichtstudien sind frühes Zeugnis für Karin Kneffels Interesse an atmosphärischen Erscheinungen. Später kommen beschlagene Scheiben und Wassertropfen hinzu, die sie in einer zusätzlichen Bildebene addiert. [SM]



61
Karin Kneffel
Ohne Titel, 2001.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 114.300

(inklusive Aufgeld)