Auktion: 418 / Wertvolle Bücher am 17./18.11.2014 in Hamburg Lot 23


23
Manuskript
Canones tabularum Alfonsi. Um 1550
Schätzung:
€ 2.500
Ergebnis:
€ 5.760

(inkl. Käuferaufgeld)
Manuskripte. - Alfonsinische Tafeln. - Canones Tabularu(m) Alfonsi. Lateinische Handschrift auf Papier. (Italien ?) um 1550. 29 Bll. Blattgr. 17,5 : 13 cm. Schriftspiegel 14 : 9 cm. Humanistische Kursive in brauner Tinte, 18-20 Zeilen. - Zeitgenöss. flex. Pergamentband.

Sehr seltene Anleitung zur Berechnung der Stellung von Sonne, Mond und Planeten anhand der Alfonsinischen Tafeln . Die auf Anordnung Alfons X. von Kastilien Mitte des 13. Jahrhunderts zusammengestellten Tabellen waren unter den damaligen Voraussetzungen des geozentrischen Weltbilds notwendig, um aus gemittelten Kreisbahnen und den sog. Epizyklen die wahre Planetenposition annähernd berechnen zu können. Sie waren über 300 Jahre, bis zu den von Kepler herausgegebenen Rudolfinischen Tafeln Anfang des 17. Jahrhunderts das einflußreichste astronomische Werk in Europa und kursierten in zahlreichen, immer wieder aktualisierten Handschriften. Schon früh wurden Anleitungen (Canones ) verfaßt, wie mit diesen Tabellen die Position von Sonne, Mond und Planeten errechnet werden kann, so die bekannteste von Johannes de Saxonia aus dem Jahr 1327. Im 16. Jahrhundert erschienen Ausgaben mit Einführung und Erläuterungen u. a. von Johannes Schöner (Tabulae astronomicae , 1536) und Johannes Virdung (Tabulae resolutae , 1542). Die vorliegende, nach unseren Recherchen nicht erfaßte Handschrift ähnelt im Aufbau den Erläuterungen Schöners und auch Virdungs, ist ansonsten jedoch eine offensichtlich originäre Leistung. Sie enthält 25 Kapitel bzw. Problema , teils mit Appendices und Exempli Gratia , also Beispielrechnungen, in denen konkret die Benutzung der Alfonsinischen Tabellen aufgezeigt wird (die Tabellen selbst sind nicht vorhanden). In den Rechnungen wird häufiger das Jahr 1550 als Ausgangswert gesetzt, was sich in etwa mit der zeitlichen Einordung des Schriftstils und des Papiers deckt (Wasserzeichen "Lilie mit Staublättern und Beizeichen", ähnliche Beispiele werden laut Wasserzeichen-Informationssystem für die Jahre 1550-70 aus Norditalien nachgewiesen). - Innendeckel sowie erste und letzte Bll. mit kl. Wurmspuren (vereinz. geringer Buchstabenverlust). Seitl. Deckelkanten jew. mit kl. Fehlstelle. Insges. guterhaltenes Manuskript von sauberer Hand.

Latin manuscript on paper. Italy (?), around 1550. 29 leaves. Sheet size 17,5 : 13 cm. Contemp. limp vellum. - Very rare instructions for the use of the Alfonsine tables in order to calculate planetary positions as well as to derive eclipitc longitudes, lunar phases, solar eclipses, calendar dates etc. Prepared under the auspices of Alfonso X in the midst of 13th century, the tables were the most popular astronomical work in Europe for more than 300 years. The manuscript at hand is one of several instructions ("Canons") for explaining in detail how one could find the planetary position at any given time by using the tables (which are not part of this ms.). According to our research it is neither printed nor recorded. It resembles the explanations by J. Schöner (publ. Nuremberg 1536) and J. Virdung (Nuremb. 1542), but seems to be an original achievement. Divided into 25 chapters, each treating a different "problema". - Pastedowns and few leaves at beginning and end with minor worming (partly affecting letters). Lateral edges of binding with small defective spot. In general well-preserved manuscript.




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Manuskript
Canones tabularum Alfonsi. Um 1550
Schätzung:
€ 2.500
Ergebnis:
€ 5.760

(inkl. Käuferaufgeld)