Auktion: 387 / Post War/ Zeitgenössische Kunst am 10.12.2011 in München Lot 240

 
Adolf Luther - Hohlspiegelobjekt


 
240
Adolf Luther
Hohlspiegelobjekt, 1970.
Objekt
Schätzung:
€ 12.000
Ergebnis:
€ 47.580

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Objekt. 49 konvexe Rundspiegel, teils auf beweglichen Armen, teils auf der Holzplatte montiert, verso mit Zahnradantrieb. Funktionstüchtig. In Objektkasten.
133,5 x 133,5 x 16,5 cm (52,5 x 52,5 x 6,4 in).
Funktionstüchtig.

Mit einer schriftlichen Bestätigung von Frau Dr. Magdalena Broska, Adolf-Luther-Stiftung, Krefeld, vom 4. November 2011.

PROVENIENZ: Galerie Ehrensperger, Zürich (verso mit dem Etikett).
Privatsammlung Süddeutschland.

Adolf Luther ist in seinem künstlerischen Bestreben, das Unsichtbare sichtbar zu machen und eine Wirklichkeit zu begreifen, die sich der bildnerisch abbildenden Darstellung entzieht, ein Hauptvertreter der kinetischen Kunst und Optical Art. 1938 nimmt Luther in Köln ein Jurastudium auf, das er 1943 an der Universität Bonn mit der Promotion abschließt. Sein Studium muss er mehrmals unterbrechen, da er zum Kriegsdienst einberufen wird. Ab 1942 beschäftigt sich Luther in seiner Dienstfreizeit mit der Malerei und mit der ersten Beobachtung des Lichtes als eigenständige Realität. Nach der Rückkehr aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft wird er Referendar am Oberlandesgericht Düsseldorf, beteiligt sich jedoch zugleich an Ausstellungen in Krefeld, Düsseldorf und Hamburg. In den folgenden zehn Jahren, von 1947 bis 1957, experimentiert Luther mit unterschiedlichen Malstilen, er bewegt sich vom perspektivischen Abbild zur reinen Farbflächen-Malerei, um seine eigenen Erfahrungen für einen künstlerischen Neubeginn zu sammeln. 1957 gibt Luther, der inzwischen als Richter tätig ist, den Juristenberuf endgültig auf, um sich ganz der Kunst zu widmen. In den gespachtelten Oberflächen seiner "Dynamischen Formen" entdeckt Luther das Licht als unmittelbaren Gestaltungsfaktor im Raum. 1959-61 entwickelt er die "Licht + Materie"-Arbeiten weiter und erprobt neue Materialien. Seine Werke kann er 1960 in den ersten Einzelausstellungen im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld und in der Drian-Gallery in London präsentieren. Für Luther wird das Glas die wichtigste Materie, um Energie in Form von Licht bildhaft darzustellen. In den 1960er Jahren entstehen Lichtschleusen, Arbeiten mit "optischen Medien", Arbeiten mit Hohlspiegeln und erste "Sphärische Objekte". Luther beteiligt sich zudem an "ZERO"-Ausstellungen in Berlin, Frankfurt, Gelsenkirchen und Philadelphia. Ab 1970 arbeitet er auch mit Laserstrahlen. Schon zu seinen Lebzeiten erhält Luther zahlreiche Würdigungen.

Alle Hohlspiegelobjekte, von Luther selbst so bezeichnet, zeichnen sich durch eine strenge serielle Anordnung identischer Elemente aus. Er strebt bewusst diese Einfachheit in der Konstruktion an, um jede Eigenästhetik auszuschließen. Seine Objekte sollen allein Instrumente einer neuen Lichtwahrnehmung sein. So reflektieren die Spiegel den umgebenden Raum und dynamisieren ihn optisch. Vor allem die großen Hohlspiegelobjekte sind dazu geeignet, den Betrachter zu irritieren. Sie vervielfältigen nicht nur ihre Umgebung, verdrehen und verzerren die Perspektive, sondern vermitteln auch in der Bewegung eine komplexe optische Erfahrung. Dieser Effekt wird in der vorliegenden Arbeit potenziert: Hat bei den fest installierten Hohlspiegelobjekten der Betrachter die Möglichkeit, durch den Wechsel seines Standorts die Lichteindrücke zu variieren, wird der Eindruck durch die motorbetriebene Bewegung der einzelnen Spiegel verdoppelt und so die Lichtarchitektur des Raumes in sich stets verändernden Facetten eingefangen.

1979 wird Luther der Professorentitel verliehen, 1982 erhält er die Thorn-Prikker-Medaille in Krefeld, 1987 findet aus Anlass des 75. Geburtstages in Bremen eine Retrospektive statt und 1989 wird er mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Im gleichen Jahr gründet er die Adolf-Luther-Stiftung in Krefeld. 1990 verstirbt der Künstler. [SM].

240
Adolf Luther
Hohlspiegelobjekt, 1970.
Objekt
Schätzung:
€ 12.000
Ergebnis:
€ 47.580

(inkl. 22% Käuferaufgeld)