Auktion: 345 / Modern Art / Kunst nach 45 am 04./05.06.2008 Lot 134

 
Ernst Ludwig Kirchner - Bildnis eines jungen Mannes (Portrait Dr. Hans Mardersteig)

134
Ernst Ludwig Kirchner
Bildnis eines jungen Mannes (Portrait Dr. Hans Mardersteig), 1912.
Kohlezeichnung
Schätzung:
€ 12.000
Ergebnis:
€ 16.800

(inkl. 20% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Bildnis eines jungen Mannes (Portrait Dr. Hans Mardersteig). 1912.
Kohlezeichnung, teils gewischt.
Rechts unten signiert. Verso mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570b) und der handschriftlichen Registriernummer "K Be/Ba 1". Verso wohl von Kirchner datiert und bezeichnet "Junger Mann". Auf festem chamoisfarbenen Velin. 46,8 : 41,8 cm (18,4 : 16,4 in). Nach dem Abschluss eines Architekturstudiums in Dresden lernt Ernst Ludwig Kirchner Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff kennen und entscheidet sich gegen den Wunsch seines Vaters ganz für die Malerei. Der intensive Austausch der vier Freunde führt 1905 zur Gründung der Künstlergemeinschaft "Die Brücke" - mit dem Ziel "alle revolutionären und gärenden Kräfte an sich zu ziehen" (Schmidt-Rottluff). Die Gruppe orientiert sich zunächst an Künstlern des Spätimpressionismus. Die Entdeckung der Fauves, der Südsee-Kunst und van Goghs führt die Maler zum Expressionismus. Infolge der Begegnung mit der Kunst der italienischen Futuristen verändert sich der Malstil der Gruppe um 1910, er wird "härter". Die ab 1911 in Berlin entstehenden Großstadtbilder, in denen er in vereinfachten, scharf konturierten Formen, expressiven Zügen und grellen Farbkontrasten das Großstadtleben festhält, werden zu Inkunabeln des Expressionismus.

Die vorliegende Kohlezeichnung zeigt Dr. Hans Mardersteig, Mitglied einer bedeutenden Weimarer Familie. Mardersteig gründet die Officina Bodoni, die anspruchsvolle Texte in bibliophilen Ausgaben veröffentlicht. In Italien lebend, nimmt er 1946 mit seiner Einbürgerung den Vornamen Giovanni an. Kirchners Porträt ist eine der Vorzeichnungen zu der 1920 entstehenden, farbigen Lithografie im Gegensinn. Trotz der breiten, tonigen Schattierungen, die eine beinah malerische Wirkung erzeugen, ist von einer Ausarbeitung als Gemälde jedoch nichts überliefert.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges bedeutet einen Wendepunkt in Kirchners Leben. Die Kriegsereignisse und der Militärdienst stürzen ihn in existenzielle Angst, führen letztlich zu Krankheit und langen Sanatoriumsaufenthalten. Um so bemerkenswerter ist seine künstlerische Produktion in dieser Zeit. 1917 lässt sich Kirchner bei Davos nieder. Den Großstadtbildern folgen nun Gebirgslandschaften und Darstellungen ländlichen Lebens. 1923 zieht der Künstler in das "Haus auf dem Wildboden" am Eingang zum Sertigtal, wo er bis zu seinem Freitod im Jahr 1938 lebt und arbeitet. [KD]

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland.

In guter Erhaltung. Geringfügig gebräunt, linker Rand mit winzigem Braunfleckchen. Linke untere Ecke mit minimaler Knickspur.

134
Ernst Ludwig Kirchner
Bildnis eines jungen Mannes (Portrait Dr. Hans Mardersteig), 1912.
Kohlezeichnung
Schätzung:
€ 12.000
Ergebnis:
€ 16.800

(inkl. 20% Käuferaufgeld)