Auktion: 380 / Moderne Kunst am 04.06.2011 in München Lot 80.10

 
László Moholy-Nagy - Komposition 1921


80.10
László Moholy-Nagy
Komposition 1921, 1921.
Gouache
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 73.200

(inkl. Käuferaufgeld)
Gouache und Silberbronze
Rechts unten signiert, links unten datiert und bezeichnet "Für Käte Weihnachten 1921". Auf braunem Büttenkarton. 48,8 x 34,2 cm (19,2 x 13,4 in), Blattgröße

Die Echtheit der Arbeit wurde von Frau Hattula Moholy-Nagy, Ann Arbor, USA, mündlich bestätigt.

PROVENIENZ: Sammlung Halbers.

Als sich Moholy-Nagy nach einem Jurastudium der Malerei zuwendet und von Malewitsch und El Lissitzky beeinflusst zu einer eigenen abstrakten Ausdrucksweise findet, ist die künstlerische Entwicklung zu einem der bedeutendsten Vertreter des Konstruktivismus nicht mehr aufzuhalten. Schon früh tritt er in seinem Heimatland Ungarn als Gründer der Künstlergruppe "Ma" hervor und geht dann nach dem Scheitern der Revolution 1920 nach Berlin.

Der seit 1921 eingeführte Begriff der "Bildarchitektur" sollte auch für Moholy-Nagy bestimmend werden. Die Bildfläche wird kompositorisch wie eine Architektur aufgebaut. Klaren architekturähnlichen Formen stehen gebrochene Farben gegenüber. Moholy-Nagy, der auch Theaterdekorationen entwirft, gibt dem Konstruktivismus eine besondere Optik. Klassisches wie der goldene Schnitt wird konfrontiert mit Diagonalen, die die Bildfläche teilen. Und doch ist auch ein romantischer Zug in den Arbeiten von Moholy-Nagy zu dieser Zeit zu erkennen. Die Staffelung einer imaginären Architektur in den Hintergrund erinnert entfernt an die Architekturveduten von Piranesi, deren unendliche Sichtachsen das eigentliche Geheimnis ihrer Wirkung sind. Der kompositorische Reiz dieser Gouache von Moholy-Nagy liegt vor allem in ihrer Kombination konstruktiver und farblicher Elemente. Hier wird Harmonie mit Irritation beantwortet.

In Berlin wird Gropius auf ihn aufmerksam und beruft ihn 1923 ans Bauhaus. Dort leitet Moholy-Nagy die Metallklasse, beschäftigt sich allerdings nebenbei mit sämtlichen anderen Bereichen der Gestaltung und ist auch hier einflussreich tätig. Seine Ideen veröffentlicht der Künstler in der Reihe der Bauhausbücher, z.B. "Malerei, Fotografie, Film" (1925). Moholy-Nagy geht es um den "experimentellen 'funktionalistischen' Künstler [..], für den Kunst das Versuchsfeld für neue Ausdrucksformen" ist, "die dann auf alle Bereiche des modernen Lebens angewandt werden sollten" (Karin Thomas). Die Ansprüche des technischen Zeitalters und seiner neuen Medien führen Moholy-Nagy so zu einer funktionalen Nutzung der Abstraktion, welche er in allen Bereichen der Gestaltung aufzuzeigen vermag und die ihn durch unterschiedliche Phasen des Experimentierens schickt. Sein vielseitiges künstlerisches Schaffen reicht dabei von der Malerei über die Fotografie, Film, Design und Bühnenbildnerei bis hin zu Fotogrammexperimenten, welche wegbereitend für die Lichtkunst und die kinetische Kunst sind. Mit Gropius verlässt Moholy-Nagy 1928 das Bauhaus und arbeitet als Bühnenbildner, Ausstellungsgestalter, Typograph und Filmemacher in Berlin, bis er 1937 in die USA emigriert und dort in Chicago das "New Bauhaus" leitet. 1938 eröffnet der Künstler in Chicago sein eigenes Institut, die "School of Design", die er in den folgenden Jahren um die Fächer Ökonomie, Psychologie und Informationstheorie erweitert. 1946 stirbt Moholy-Nagy nach einjähriger Krankheit. [KD].




80.10
László Moholy-Nagy
Komposition 1921, 1921.
Gouache
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 73.200

(inkl. Käuferaufgeld)