Auktion: 402 / Alte Meister und Kunst d. 19. Jh am 14.05.2013 in München Lot 660

 
660
Hugo Mühlig
Heimkehrende Musikanten im Schnee, 1880.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 25.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Heimkehrende Musikanten im Schnee. Ende 1880er Jahre.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert (Vorname nachträglich ergänzt). 49 x 79,5 cm (19,2 x 31,2 in).
Nahezu identische, vergrößerte Wiederholung des Motivs von dem kleinformatigen Gemälde "Musiker auf dem Heimweg" (Baeumerth Wv 37, Öl auf Holz, 28 x 38 cm). [CB].

Das Gemälde wird unter der Nummer Wv 785 in den in Vorbereitung befindlichen Werkverzeichnis-Nachtrag aufgenommen. Wir danken Herrn Wilhelm Körs, Düsseldorf, für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Privatsammlung Luxemburg.

AUSSTELLUNG: Gli impressionisti e la neve. La Francia e l'Europa, Palazzina delle Promotrice delle Belle Arti, Turin 2004/2005, Kat.Nr. 39, Farbabb. S. 90 (verso mit dem Ausstellungsetikett).

"Hugo Mühligs Interesse an dem Bildmotiv der Straße war von Anfang an [..] formal bestimmt. Ihn interessiert [..] die Straße als Lebensraum, als Abbild menschlicher und gesellschaftlicher Zustände. Schon in den frühen 1880er Jahren ging er den Menschen, denen man auf der Straße immer wieder begegnen konnte, im wahren Wortsinn hinterher. Zwei Personengruppen fielen ihm besonders auf und erschienen bildwürdig: der Bote und der Musiker, beides Männer, die von Berufs wegen 'über Land', von einem Dorf zum anderen, gingen. Beide trugen, bei Wind und Wetter, schwere oder sperrige Gegenstände, die ihrer Gestalt das charakteristische Profil verliehen: der Bote Tasche und Bündel über der Schulter, in einer der Hände ein Paket; der Musiker eine Baßgeige. […] die Gestalt des über Land ziehenden Musikers beschäftigte Mühlig schon in den 1880er Jahren. Mit einer Ausschließlichkeit, die zunächst überrascht, handelt es sich immer um einen Baßgeiger, dem sich nur gelegentlich ein Blechbläser zugesellt. Zweifellos hing Mühligs Interesse mit der imposanten Gestalt des fast mannshohen Instruments zusammen, das, auf dem Rücken getragen, seinem Träger das Aussehen einer wandelnden Baßgeige verlieh. Der über Land gehende Musiker erscheint daher stets als Rückenfigur. […] [Der Baßgeiger erscheint erstmals in Frühlings- oder Sommerlandschaften auf vier Gemälden, die wohl alle 1883 oder kurz darauf entstanden.] Es verbindet sie alle eine noch spätromantische, an die Dresdener Schulung erinnernde Landschaftsauffassung und Malweise. Beides verliert sich bald. Das Gemälde 'Winterlandschaft mit heimkehrenden Musikanten' (WV 38) und andere wohl in den späten 1880er Jahren entstandenen Varianten hierzu (WV 37, 39) sind nahezu frei von jener etwas süßlichen Stimmung. Betont kühl und nüchtern erscheint nicht nur die flache, schneebedeckte Landschaft, sondern auch der scheinbar nahtlos über dem Horizont sich erhebende Himmel. Nichts trägt zur Belebung dieser 'sibirischen' Landschaft bei außer den beiden Gruppen von Menschen, die hier einander begegnen. Der Baßgeiger, begleitet von einem Kollegen mit Blasintrument, gibt als imposante Rückenfigur den Ton des Bildes an." (zit. nach: Angelika Baeumerth und Wilhelm Körs, Hugo Mühlig 1854-1929. Leben und Werk, Wilhelm Körs, Galerie an der Börse, Düsseldorf 1997, S. 176f.).

660
Hugo Mühlig
Heimkehrende Musikanten im Schnee, 1880.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 25.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)