Auktion: 406 / Moderne Kunst am 08.06.2013 in München Lot 51

 

51
Gabriele Münter
Birkenallee, 1923.
Öl
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 268.400

(inkl. Käuferaufgeld)
Birkenallee. 1923.
Öl auf Malpappe.
Rechts unten signiert und datiert. Verso handschriftlich betitelt und bezeichnet sowie mit dem Nachlassstempel und einem Etikett mit der Werknummer "L 272". Zusätzlich mit dem Stempel "Deutsche Künstlergemeinschaft" und der handschriftlichen Registriernummer 466. 32,6 x 41 cm (12,8 x 16,1 in).
Verso mit einer übermalten Komposition und der handschriftlichen Bezeichnung "Frl. Münter Adalbertstr." (dort wohnte Münter im Winter 1908/09).

Mit einer Foto-Expertise von Franz Resch, Gauting, vom 23. Februar 1969. Die Arbeit war dort unter der Archiv-Nr. 170 registriert.
Laut freundlicher Auskunft von Ilse Holzinger, Gabriele Münter und Johannes Eichner Stiftung, München vom 15. 10. 2002 ist die Arbeit im Archiv verzeichnet.

PROVENIENZ: Franz Resch, Gauting.
Privatsammlung Prof. Niederschlag, Gauting
Privatsammlung Schweiz.
Privatsammlung.

Den ersten Unterricht erhält Gabriele Münter 1897 an der Düsseldorfer Damen-Kunstschule, die weitere Ausbildung im Künstlerinnen-Verein als Schülerin von M. Dasio und A. Jank. Anschließend geht sie nach München und besucht dort die Privatkunstschule "Phalanx"; Leiter der Schule ist Wassily Kandinsky. Mit ihm unternimmt Gabriele Münter ab 1904 viele Reisen u.a. nach Holland, Italien und Frankreich, wo sie Rousseau und Matisse kennenlernen. Stilistisch distanziert sich Münter nun vom Impressionismus und lässt in ihrem Werk Einflüsse der Fauves und der Expressionisten erkennen. Ein ruhigeres Leben beginnt ab 1908 in der mit Kandinsky gemeinsamen Wohnung in München. Mit Klee, Marc, Macke, Jawlensky und Marianne von Werefkin pflegen die beiden regen Kontakt. Für eine produktive künstlerische Zusammenarbeit ist das von Münter gekaufte Landhaus in Murnau die richtige Umgebung. Zwei Jahre lang ist Münter Mitglied in der "Neuen Künstlervereinigung München". Im Jahr 1911 tritt sie der von Kandinsky und Marc gegründeten Redaktion "Blauer Reiter" bei. Mit Interesse verfolgt Gabriele Münter Kandinskys abstrakte Bilder, bleibt jedoch selbst bei der figurativen Malerei. Ihre Landschaften, Figurenszenen und Porträts zeigen eine Reduktion auf das Wesentliche mit Hang zur humorvollen Charakterisierung. Mit Kriegsausbruch gehen Münter und Kandinsky zunächst in die Schweiz, ein Jahr später (1915) entscheidet sich die Malerin für Stockholm, wo es zur Trennung von Kandinsky kommt. Im Spätherbst 1917 übersiedelt sie nach Kopenhagen. Die 1920er Jahre sind geprägt von vielen Reisen und Aufenthalten in München, Murnau, Köln und Berlin.

1915 bis 1920 lebt Gabriele Münter in Skandinavien. In diese Zeit fällt auch die endgültige Trennung von Wassily Kandinsky. Nach ihrer Rückkehr muss sie wieder Anschluss an den deutschen Künstlerkreis finden. Da aus dem Beginn der Zwanzigerjahre hauptsächlich Zeichnungen überliefert sind, festigt sich die Legende, Münter hätte in dieser Zeit nicht gemalt. Um 1923 findet sie jedoch zur Malerei zurück und es sind die Murnauer Motive, die gleichsam am Anfang einer Wiederaneignung dieses Mediums stehen. Der Duktus wird aufgelöster, tonige Farbigkeit tritt an Stelle der oft schwarz umrandeten, fast homogenen Farbflächen, die bis dahin ihre Arbeiten bestimmten. Die Künstlerin sieht die Landschaft neu und mit anderen Augen. Sie spürt Differenzierungen in den Valeurs nach und kann doch aus dem Fundus ihrer Erfahrungen schöpfen, der ihr eine Farbwahl, weit entfernt von spätimpressionistischer Ausdrucksweise erlaubt. Im Gegenteil: Münter verwendet, wenn auch wesentlich gemildert, ihren alten Farbenkanon einer kräftigen Palette. Nach wie vor sind die Formen in sich verfestigt, wie in diesem Werk besonders in der Behandlung der Bäume und Berge nachzuvollziehen ist. Die kühne Teilung der Komposition durch den vorderen Birkenstamm lässt nichts von einer Zögerlichkeit erahnen, die gern in Zusammenhang mit den nach der Skandinavien-Reise aufgetretenen Depressionen gesehen wird. Es ist eine kraftvolle, spontane Malerei, die dem Bild jene Freiheit der Gestaltung gibt, die wir von den besten Arbeiten Münters erwarten. Das Umfeld der Künstlerin verändert sich. Nach Jahren ruheloser Wanderschaft findet sie in der Murnauer Landschaft die eigentliche Bestimmung für ihre Gemälde der Reifezeit. Sie kann auf bereits Erarbeitetes zurückgreifen, ohne sich zu wiederholen. Es ist eine neue, ruhigere Sicht auf die Dinge.

Ab 1931 lebt Münter ständig in München und Murnau. Im Jahr 1956 erhält sie den Kulturpreis der Stadt München, 1960 findet die erste Ausstellung Münters in den USA statt, gefolgt 1961 von einer großen Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle. Die Künstlerin stirbt am 19. Mai 1962 in ihrem Haus in Murnau. [KD].




51
Gabriele Münter
Birkenallee, 1923.
Öl
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 268.400

(inkl. Käuferaufgeld)